1000 Worte und ein Bild

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte … aber noch mehr sagt ein Bild mit dazu passendem text


Die spinnen, die Spinnen

Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) [UKR20090925_0085]
Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) [UKR20090925_0085]

In Gärten und auf Wiesen, an Waldrändern und in Parkanlagen - aber auch mitten in der Stadt - sind sie unübersehbar: Die bis zu 1,5 cm groß werdenden weiblichen Gartenkreuzspinnen. Die Männchen sind deutlich kleiner und befinden sich meistens in sicherer Entfernung am Rande des Netzes. Das hat seinen guten Grund, denn die kräftige Spinnenfrau verspeist schon mal ihren Gatten nach dem Sex. „Mach die Fliege, Alter!“, gilt also auch und vor allem für Spiderman, der sein Samenpaket erfolgreich an die Frau gebracht hat. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, da die Männchen das Samenpaket mit den Kiefern an das Weibchen übergeben. Aber auch für das Weibchen läuft die Zeit ab: Nachdem es die befruchteten Eier in einen Winterkokon verpackt hat, stirbt es. Die Babyspinnen schlüpfen noch vor dem Winterbeginn aus den Eiern, verlassen ihre schützende und wärmende Seidenhülle aber erst im Frühling und verbringen dann als selbstständige Jungspinnen ein ganzes Jahr bevor sie im Folgejahr nach der abschließenden Reifehäutung selbst geschlechtsreif werden. Es existieren also immer gleichzeitig einjährige und zweijährige Kreuzspinnen. Die Kreuzspinne mag gefährlich aussehen, ist aber für den Menschen vollkommen harmlos und ein nützlicher Schädlingsvertilger. Untersuchungen haben ergeben, dass alle Spinnenarten in einem Hektar Wiesenfläche jedes Jahr die unglaubliche Menge von 50.000 kg Insekten fangen.

Falls Sie einmal eine schaukelnde Spinne im Netz entdecken sollten, so werden Sie gerade Zeuge eines sehr interessanten Abwehrverhaltens. Durch die Schwingungen ist die Spinne für Vögel nicht mehr so leicht als Beute zu entdecken: ihre Umrisse verschwimmen und die Spinne versteckt sich sozusagen unter einem beweglichen Tarnanzug. Die spinnen, die Spinnen? Ja natürlich, aber das klug und mit System.


Von pfeifenden Murmeln und dem Glück der Großfamilie

Murmeltiere im Karwendelgebirge
Murmeltiere im Karwendelgebirge

Schon lange wollte ich Murmeltiere in freier Wildbahn fotografieren, aber nicht dort wo man per Seilbahn bequem bis unter den Gipfel katapultiert wird und auf halbzahme Tiere trifft, sondern wo sich Mensch und Murmel noch mit Respekt und gegenseitiger Neugier begegnen. So einen Ort hatte ich mir im wunderbaren Karwendelgebirge, genauer auf der Grasbergalm unterhalb des 2011 m hohen Kompar ausgesucht. Anfang Mai ist das Rißbachtal noch nicht so überlaufen wie im Sommer und ich begegnete auf der 3-stündigen Wanderung zur Hochalm keiner Menschenseele. Aber wo versteckten sich die Murmeltiere? Früher nahm man an, dass spezielle Wächtertiere die anderen Murmel durch lautes Pfeifen vor Feinden warnen. Heute geht man davon aus, dass einfach das Tier warnt, das zuerst eine Gefahr wittert. Ich bin mir da nicht so sicher. Als ich an der Almhütte Rast machte, waren die Murmel mucksmurmelstill. Kein Pfeifer verriet mir ihre Anwesenheit. Erst als ich den Wanderweg verließ und auf dem Berghang nach “meinen“ Murmeln suchte, schrillten die Pfiffe, woraufhin die ganze Murmelfamilie wild durcheinander kollerte und in ihren Baulöchern verschwand. Jetzt hieß es für mich hinsetzen und warten. Es dauerte nur wenige Minuten bis die ersten neugierigen Köpfe aus dem Bau lugten, aber ganze zwei Stunden bis mich die Tieren auf Fotodistanz von etwa 8 Metern näher kommen ließen. Manche Tiere akzeptierten meine Anwesenheit ohne sichtliche Reaktionen, andere blieben stets wachsam, pfiffen mich regelrecht aus, wenn ich einen Mindestabstand unterschritt. Zumindest in diesem Familienverband übernahmen die Tiere also durchaus unterschiedliche Aufgaben, die am besten zu ihrem jeweiligen Charakter “passten“. Es gab in der Gruppe die Pfeifer, die Coolen, die Vorsichtigen, die Ängstlichen und die Ignoranten. Das Verhalten der Murmel scheint keineswegs so umfassend erforscht zu sein, wie man das bei einem so bekannten Alpentier vermuten würde. Vielmehr zeigen die Murmeltiere ein komplexes und vielschichtiges Sozialverhalten und sind bestimmt noch für einige verhaltensbiologische Überraschungen gut. 


Namen gesucht

Dieser hübsche Käfer gehört zu den Kurzflügler, die hierzulande eher unbekannt sind
Kurzfluegler (Platydracus stercorarius)

Hoppla, kennen Sie dieses Tier? Sechs Beine? Also ein Insekt. Soweit so einfach. Dann aber wird es knifflig. Falls Sie spontan auf einen Käfer tippen, der irgendwie anders aussieht, liegen Sie schon ganz dicht an der Wahrheit. Dieser kleine Goldgräber wurde von der Wissenschaft Platydracus stercorarius getauft, aber bis in unsere Sprachregion hat es der hübsche Kerl leider noch nicht geschafft. Die Engländer nennen ihn etwas despektierlich rove beetle, aber damit meinen sie auch 2000 andere mitteleuropäische Kurzflüglerarten. Tatsächlich handelt es sich bei den Kurzflüglern um räuberisch im Erd- oder Steinreich lebende Miniaturkäfer. Aufgrund ihrer Kleinwüchsigkeit und versteckten Lebensweise, bekommen wir sie nur selten zu Gesicht und kennen sie deshalb nicht. Das ist eigentlich schade, denn die Kurzflügler sind eine äußerst interessante Tiergruppen, haben sie doch die käfertypischen harten Flügeldecken nachträglich wieder zurückgebaut, um in ihrem Lebensraum unter der Erde beweglicher agieren zu können. Fliegen können die Käferchen trotzdem noch, nur die durchsichtigen Hinter Flügel müssen vor jedem Abflug erst umständlich entfaltet und nach der Landung ebenso aufwändig wieder verstaut werden.

Tja, auch in der Evolution kann man nicht alles haben und die Kurzflügler haben sich eben für ein unterirdisches Leben von der Natur „optimieren“ lassen.

Unser hübscher Platydracus, der übrigens mit bis zu 2 cm Länge ein richtiger Gigant unter den Kurzflüglern ist, sollte also nicht unbenannt nach Beute jagen. Geben wir ihm einen passenden Namen! Mein Favorit wäre Goldglänzender Flachdrache aber sicherlich fällt Ihnen spontan noch etwas Besseres ein. Der schönste oder originellste Namensvorschlag wird hier veröffentlicht und der/die Sieger/in erhält ein kleines Buchgeschenk. Nomen est omen!


Kleiner Dreh mit grosser Wirkung

Eisskulptur am Bach - Frost und Eis verwandeln fliessendes Wasser in lebendige Motive
Ice-Man

Ungewöhnliche Bilder entstehen oft dann, wenn man den Blickwinkel auf ein Motiv verändert und sein Sujet zum Beispiel aus der Froschperspektive oder von oben fotografiert. Nicht immer aber hat man eine Leiter dabei und manchmal (besonders bei strengem Frost) erkennt man während der Aufnahme gar nicht, dass man ein besonderes Motiv vor sich hat. So erging es mir beim Fotografieren am vereisten Bach und erst zuhause beim Betrachten der Bilder am Monitor entdeckte ich dieses markante Gesicht in der Struktur des Eises. Obwohl ich das Foto mit der Bildbearbeitungssoftware nur um ca. 35° nach links gedreht habe, zeigt sich das Profil eines bärtigen Mannes mit gewölbter Stirn und Höckernase erst durch die nachträgliche Drehung. Unser Gehirn braucht also einen kleinen Stupser, damit aus einem gewöhnlichen Bild ein besonderes entstehen kann. Experimentieren Sie einmal mit Ihren alten Makroaufnahmen und entdecken Sie neue Bildideen darin. Die langen Wintertage bieten sich dafür geradezu an. Viel Spaß beim Entdecken ganz neuer Welten.


Das Besondere im Gewöhnlichen finden

Sonnenuntergang bei Caorle - Abendstimmung am Meer - Wolkenhimmel nach Gewitter
Schutzgebiet Vallevecchia Brussa östlich von Caorle (Italien). Die Aufnahme entstand kurz nach Sonnenuntergang. Das i-Tüpfelchen ist das 2-mastrige Schiff hinter dem Deich am Horizont.

Selten standen Regenwolken so hoch im Kurs wie zurzeit während der aktuellen Hitzewelle. In der Naturfotografie werden Wolken oft nur als mehr oder weniger langweiliges Hintergrundelement zur Kenntnis genommen, bestenfalls unterstreichen sie die Dramatik eines Gewitters oder einer wild-romantischen Gebirgskulisse. Als Hauptmotiv werden Wolken jedoch nur selten professionell abgebildet. Ihre Allgegenwärtigkeit macht sie scheinbar gewöhnlich. Auch ich habe Wolken als explizites Fotomotiv bisher nicht besonders ernst genommen. Wolken sind fast immer vorhanden, so dass sie als Motiv nichts Besonderes sind, so dachte ich. Dass Wolken zu den spannendsten und vielfältigsten Naturmotiven gehören, habe ich erst vor kurzem begriffen. Der Wind macht Wolken lebendig und Bewegung ist immer eine gute Voraussetzung für spannende Naturfotos. Mit dem Weitwinkelobjektiv erfassen Sie die räumliche Dimension und bringen Tiefe ins Bild. Ein Polfilter oder ein Graufilter, der auch mit einem Farbfilter kombiniert werden kann, erhöht die Farbsättigung und den Kontrast. Wenn der Wind die Wolken vor sich her treibt, entstehen so interessante Wischaufnahmen. Probieren Sie es einmal aus und lassen Sie Ihre Wolkenschlösser Wirklichkeit werden. Die Ergebnisse werden Sie positiv überraschen.


Bionik für Faschingsnasen

Schriftfarn (Asplenium ceterach) in altem Weinberg
Schriftfarn (Asplenium ceterach) in altem Weinberg

Seit die Menschen existieren nutzen sie die Vielfalt der Natur auch für eigene technische Erfindungen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Klettverschluss, dessen Prinzip den Hafthäkchen der Klettfrüchte abgeschaut ist. Aber wussten Sie schon, dass die vom Wind verbreiteten Sporen der Farnpflanzen Vorbild für Papierkonfettis sind? Und nicht nur das: Die vor allem bei Kindern beliebten ausblasbaren bunten Papierrollen haben ihre Entsprechung in dem eingerollten Farnwedel auf dessen Unterseite die Sporenkonfettis haften. Nicht Weintrauben oder Hopfenblüten müssten deshalb die Symbole der närrischen Zunft sein, sondern ein Farnwedel.

Farne sind spannende Pflanzenwesen, deren Fortpflanzung erstmals 1851 von dem fast vergessenen Botaniker und Buchhändler Friedrich Wilhelm Benedikt Hofmeister richtig entdeckt worden ist. Hofmeister erkannte, dass auch bei Pflanzen Generationswechsel innerhalb eines Lebenszyklus auftreten können, was so bisher nur von Tieren bekannt war. Er beobachtete, dass aus den Sporenkapseln zuerst ein unscheinbarer herzförmiger Vorkeim (Prothallium) wächst, der dann auf seiner Unterseite die eigentlichen Keimzellen (Samen und Eizelle) ausbildet. Nach deren Verschmelzung entsteht auf dem absterbenden Prothallium die neue sporenbildende Farnpflanze. Vor dieser Entdeckung war man davon ausgegangen, dass jede Pflanze zwingend eine Blüte ausbilden musste, um sich zu vermehren. Die Menschen glaubten daran, dass der Farn nur in der geheimnisvollen Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni blühte. Dem Aberglauben zufolge wurde derjenige unsichtbar in dessen Schuhe der Farnstaub aus dieser Nacht rieselte.

Das Foto zeigt den bei uns seltenen Schriftfarn Asplenium ceterach, der auch Milzfarn genannt wird, weil seine Bestandteile im Mittelalter gegen Milzleiden verwendet wurden. Die Aufnahme entstand in einem alten Weinstock in der Nähe von Bad Rappenau. Wenn Sie so einen hübschen Farn auf einer alten Mauer finden, haben Sie etwas ganz Besonderes entdeckt und dürfen sich darüber ganz “närrisch“ freuen.