Tiere interessieren sich für Pflanzen vor allem, wenn sie als Futter in Frage kommen. Die Vorstellung, dass sich Tiere mit Pflanzen als Sexualpartner einlassen, ist absurd, aber genau dies versuchen manche Insektenarten bei den Blüten einiger unserer Orchideen. Natürlich sind es die Männchen, die auf den Trick der Pflanzen hereinfallen. Zu ihrer Ehrenrettung muss erwähnt werden, dass die Orchideenblüten der Ragwurzarten vielen Insekten täuschend ähnlich sehen, wie zum Beispiel die der hier abgebildeten Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) große Ähnlichkeit mit einer weiblichen Langhornbiene (Eucera spec.) aufweist. Bedenkt man außerdem, dass die Orchidee chemische Duftstoffe freisetzt, die den Sexuallockstoffen der Insektenweibchen entsprechen, wundert es kaum noch, dass die paarungswilligen Bienenmännchen – optisch und olfaktorisch betört – in die Liebesfalle tappen und zur Scheinpaarung ansetzen.
Weshalb aber der ganze Aufwand? Warum haben sich bei diesen Orchideen so komplizierte Blütenbaupläne entwickelt? Die Frage lässt sich beantworten, wenn wir noch etwas genauer hinsehen. Das Bienenmännchen setzt zur Paarung auf der Blüte an, berührt mit dem Kopf den vermeintlichen Hinterkopf der Partnerin und führt Kopulationsbewegungen aus. Dabei bleiben winzige Pollenpakete auf der Stirn des Männchens hängen. Interessant ist, dass es bei der Scheinpaarung nicht zur Ejakulation des Spermas kommt, was möglicherweise Voraussetzung dafür ist, dass das Männchen nach einer neuen „Partnerin“ Ausschau hält. Findet es eine andere Blüte wiederholt sich der Vorgang, die mitgebrachten Pollenpakete bleiben auf der klebrigen Narbe der Blüte hängen und die Pflanze wird damit befruchtet. Das Tier dient somit als Samentaxi und Bestäuber der Pflanze ohne dass es einen konkreten Gegenwert dafür bekommt. Und nicht nur das: Es hat auch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Männchen seiner Art, weil es Zeit und Energie für eine – aus Insektensicht – sinnlose Paarung verschwendet. Wie bei uns scheint sich „sex sells“ in der Natur nur für eine Seite zu rechnen: Die Pflanze verdient am Sex, das Männchen bezahlt dafür.
Das Bild stammt keineswegs aus dem brasilianischen Regenwald, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, sondern aus der Schwabenmetropole Stuttgart, genauer gesagt aus dem zoologisch-botanischen Garten der Stadt. In der Wilhema - benannt nach König Wilhelm I. von Württemburg – stehen prächtige Gebäude im maurischen Baustil. Deshalb nennt man die Wilhelma auch liebevoll “Alhambra am Neckar“. Blickpunkt und Zentrum des maurischen Gartens ist das kreisrunde Seerosenbecken in dem Lotusblumen und gigantische Riesenseerosen blühen. Die Schwimmblätter der Victoria amazonica haben einen Durchmesser bis zu 4 m und können ein Gewicht von etwa 60 kg tragen. Das Blatt ist nach unten mit Stacheln gegen Tierfraß geschützt und enthält luftgefüllte Interzellularräume, die es schwimmfähig machen. Das Schwimmblatt ist so stabil, leicht und belastbar, dass sein Aufbau als Vorbild in der Gerüstkonstruktion verwendet wurde. Benannt wurde die imposante Pflanze zu Ehren von Königin Victoria von England. Der Graureiher (Ardea cinerea) ist ein typischer Kulturfolger und stillt seinen Hunger schon einmal an den Goldfischen im Gartenteich oder wie hier im Seerosenbecken des Maurischen Gartens. Man sollte ihm die Fischmahlzeit gönnen, da er eine Bereicherung unserer Fauna darstellt und Mitte des letzten Jahrhunderts bei uns fast ausgerottet war. Nach dem Storch gehört er zu den größten einheimischen Vögeln. Trotz seiner Größe ist er kaum 2 kg schwer, so dass ihn die Schwimmblätter locker tragen können. Einst ein Privatgarten für einen König wandelte sich die Wilhelma ab 1880 zu einem Erholungs- und Ausflugsziel der Stuttgarter Bürger und ist heute weit über die Landesgrenzen bekannt und beliebt. Lesenswerte Informationen über die Entstehung der Wilhelma finden Sie unter http://www.wilhelma.de/de/park-und-geschichte.html
Ich bin ein großer Fan von Wasserfällen und immer wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, besuche ich diese nassen Naturwunder. Bei uns im Odenwald gibt es leider keine so große Auswahl an spektakulären Wasserfällen. Umso mehr freue ich mich über die Existenz einer bemerkenswerten Ausnahme. Die Margaretenschlucht östlich von Neckargerach überrascht durch ihren wilden und alpinen Charakter. Hier hat sich der kleine Flursbach im Laufe der Jahrmillionen durch den Buntsandstein genagt und ein Naturparadies geschaffen, das man so nicht im beschaulichen Neckartal erwartet hätte. Mit einer Fallhöhe von 110 m über mehrere Stufen gehört der Wasserfall zu den höchsten in Deutschland. In den Gumpen zwischen den einzelnen Abbruchkanten legt der Feuersalamander seine Larven ab, die für ihr Überleben auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Seltene Farne gedeihen in der Schlucht, wie zum Beispiel der Schwarzstielige Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum) und der Gelappte Schildfarn (Polystichum aculeatum), letzterer eine Charakterart feuchter Bergwälder. Obwohl die Schlucht ein Naturschutzgebiet ist, darf man den Kernbereich durchwandern. Ein schmaler Pfad, der an manchen Stellen an alpine Klettersteige erinnert, führt mitten hindurch und vor allem die häufigen Wechsel auf die andere Bachseite bieten - je nach Wasserstand - ein feuchtfröhliches Wandervergnügen. Der Naturpark Neckartal-Odenwald hat an besonders interessanten Stellen Tafeln aufgestellt, die über das Schutzgebiet und seine Besonderheiten informieren. Am schönsten präsentiert sich die Margaretenschlucht im Mai oder Juni, wenn das frische Grün des Laubmischwaldes die tosenden Wasser umrankt. Wer jetzt neugierig geworden ist und seinen nächsten Familienausflug nach Neckargerach planen möchte, dem empfehle ich einen digitalen Blick in die Webseiten des Naturparks: http://www.naturpark-neckartalodenwald.de/index.php?id=77
Vielleicht treffen wir uns ja schon bald bei Farn und Feuersalamander.
Dort wo sie vorkommen fallen Sie auf: Grüne Miniaturbecher, winzige Keulen, zierliche Trompeten, weiche Schwämmchen, stachlige Bärte, kreisrunde Teppiche und grellgelbe Krusten. Die Rede ist von den Flechten, die an Plätzen gedeihen wo andere Pflanzen kaum Halt, geschweige denn genügend Nährstoffe finden: Auf hartem Urgestein, dicker Borke, blankem Fels und hohen Baumkronen, aber auch auf alten Mauern sowie Holz- und Steingebäuden.
Flechten sind Doppelwesen. Chimären aus Algen und Pilzen. Der Pilz holt sich von der Alge energiereiche Nahrung, die sie aufgrund ihrer Fähigkeit zur Photosynthese herstellen kann und die Alge nutzt das fein verzweigte Pilzgeflecht als Schutz vor Beschädigung und Austrocknung. Flechten sind demnach Zweckgemeinschaften zwischen zwei Partnern. Man nennt diese Win-Win-Situation eine Symbiose. Es spricht viel dafür, dass sich funktionierende Symbiosen aus ursprünglich voneinander parasitierenden Organismen entwickelt haben. Zwei Lebewesen, die im Dauer-Clinch miteinander standen, fanden ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen, das sich evolutionär perfektionierte und manifestierte. Man kann sich das auch so vorstellen: Der Pilz stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und die Alge bringt das Essen mit. Die Party kann beginnen!
Man sagt, dass der Stich von sieben Hornissen ausreicht, um ein Pferd zu töten. Die imposante Größe, die schwarzgelbe Warnfarbe des Hinterleibs, das tiefe, unheimliche Brummen beim Flug und die diffuse Furcht vor der Gefährlichkeit des Stiches, lassen viele Menschen panisch reagieren, wenn sie eine Hornisse sehen. Tatsächlich stechen Hornissen so gut wie nie und selbst wenn man sich in unmittelbarer Nähe des Nestes aufhält, bleiben sie noch erstaunlich tolerant solange man sich nicht in die direkte Flugbahn begibt oder Manipulationen am Nest durchführt. Im Labor haben Ratten mehrere hundert Hornissenstiche überlebt, so dass sich die Wirkung eines Hornissenstichs mit dem von Bienen und Wespen vergleichen lässt. Die tatsächliche Toxizität ist sogar geringer als die von Honigbienen, die aufgrund des begehrten Honigs einem höheren Evolutionsdruck zur möglichst effektiven Verteidigung des Neststockes ausgesetzt waren. Im Gegensatz zur Deutschen Wespe interessieren sich Hornissen auch keineswegs für Bratwürste oder Zwetschgenkuchen.
Nach der Überwinterung sucht die befruchtete Königin im Mai einen geeigneten Nistplatz in hohlen Baumstämmen, leeren Vogelkästen oder alten Scheunen und Dachböden. Die Königin zerkaut morsches Holz zu Streifen aus Zellulose und formt daraus Hülle und erste Waben für das neue Nest, das sozusagen aus Holz und Spucke gebaut wird. Über die Sommermonate wächst das Hornissenvolk auf etwa 500 Tiere heran, die pro Tag bis zu 0,5 kg Insekten für die Brut herbeischaffen. Hier wird deutlich, welchen Beitrag staatenbildende Faltenwespen zur Reduzierung von Schadinsekten leisten. Ab Juni übernehmen die jungen Arbeiterinnen den weiteren Bau des Nestes sowie zusätzlich das Putzen und Füttern der Larven. Die Königin legt dann nur noch Eier aus denen außer den Arbeiterinnen später auch männliche Hornissen (Drohnen) und Königinnen schlüpfen werden, die im nächsten Jahr an anderen Orten ihre eigenen Völker aufziehen werden.