Weißt du noch, wie weiß, wie bleich in den Maiendämmerungen, wenn ich lag, von dir umschlungen, dir zu Füßen hingerissen, um uns schwankten die Narzissen?
Weißt du noch, wie heiß, wie weich in den blauen Juninächten, wenn wir, müde von den Küssen, um uns flochten deine Flechten, Düfte hauchten die Narzissen?
Wieder leuchten dir zu Füßen, wenn die Dämmerungen sinken, wenn die blauen Nächte blinken, wieder duften die Narzissen. Weißt du noch, wie heiß? wie bleich?
Hinfällig, wie die Erinnerungen, Stehen Herbstzeitlosen im nassen Gras Und sprechen von Lieb' mit zerbrechlichen Zungen. Noch ein Schmetterling über die Schulter mir flog, War ein Gedanke, der bei dir Honig sog. Den Bäumen fallen die Blätter aus, Und wimmernde Stimmen wollen ins Haus, Wo herbstlos dein Herz in Liebe thront, Wie des Hauses Herd von Flammen bewohnt.
Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn Zwischen den Kreuzen, Reihe um Reihe, Die unseren Platz markieren; und am Himmel Fliegen die Lerchen noch immer tapfer singend Unten zwischen den Kanonen kaum gehört.
Wir sind die Toten. Vor wenigen Tagen noch Lebten wir, fühlten den Morgen und sahen den leuchtenden Sonnenuntergang, Liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir Auf Flanderns Feldern.
Nehmt auf unseren Streit mit dem Feind: aus sinkender Hand werfen wir Euch Die Fackel zu, die Eure sei, sie hoch zu halten. Brecht Ihr den Bund mit uns, die wir sterben So werden wir nicht schlafen, obgleich Mohn wächst Auf Flanderns Feldern.
Grausame Frühlingssonne, Du weckst mich vor der Zeit, Dem nur in Maienwonne Die zarte Kost gedeiht! Ist nicht ein liebes Mädchen hier, Das auf der Rosenlippe mir Ein Tröpfchen Honig beut, So muss ich jämmerlich vergehn Und wird der Mai mich nimmer sehn In meinem gelben Kleid.