Wundersame Waldameisen

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Wundersame Waldameisen

Wenn man von Ameisen spricht, dann immer im Plural. Ameisen sind das Musterbeispiel für das Scheitern der Individualität und die Macht der Gemeinschaft. Dieses Funktionieren des Einzelnen im Insektenstaat und die hierarchische Einteilung in Funktionseinheiten imponiert und irritiert uns gleichermaßen. Aber stimmt das wirklich? Ordnet sich das Individuum dem Gemeinwohl bis hin zur Selbstaufgabe unter oder vermuten wir das, weil wir nur aus Menschensicht denken können und uns kaum in die Gefühlswelt eines Insekts hineinversetzen können, ja sogar Probleme mit der Vorstellung eines fühlenden Kerbtieres haben?

Es gibt kulturgeschichtliche Untersuchungen*, die aufzeigen, dass Ameisenpopulationen von uns Menschen je nach Zeitepoche als Beispiele für einen totalitären Staat oder auch für vorbildliche Basisdemokratie angesehen werden. Eins ist aber sicher: Alle bekannten Insektenstaaten sind reine Frauenstaaten, das heißt die Konditionierung der Königin und ihr Wohlergehen bestimmen die Stärke der Insektengemeinschaft. Aus heutiger Sicht werden soziale Insektenstaaten oft als Superorganismus bezeichnet und bei der Forschung über Schwarmintelligenz genauer untersucht.

Wenn Sie bei einem Waldspaziergang an einem Ameisenhügel vorbeikommen, dann nehmen Sie sich einmal die Zeit und schauen Sie sich das scheinbar chaotische Treiben etwas genauer an. Und dann stellen Sie sich vor, dass alle Ameisenhaufen eines Waldes ober- und unterirdisch miteinander verbunden sind und die Tiere sich so miteinander verständigen können. Genau das vermutet man nämlich. Wundersame Waldameisen.

* https://www.swr.de/swr2/wissen/ameise-ameisenstaat-symbol-projektionsflaeche/-/id=661224/did=14218316/nid=661224/7lt4ao/index.html