Von pfeifenden Murmeln und dem Glück der Großfamilie

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Zwei ziemlich aufgeweckte Kerlchen

Schon lange wollte ich Murmeltiere in freier Wildbahn fotografieren, aber nicht dort wo man per Seilbahn bequem bis unter den Gipfel katapultiert wird und auf halbzahme Tiere trifft, sondern wo sich Mensch und Murmel noch mit Respekt und gegenseitiger Neugier begegnen. So einen Ort hatte ich mir im wunderbaren Karwendelgebirge ausgesucht, genauer auf der Grasbergalm unterhalb des 2011 m hohen Kompar.

Anfang Mai ist das Rißbachtal noch nicht so überlaufen wie im Sommer und ich begegnete auf der 3-stündigen Wanderung zur Hochalm keiner Menschenseele. Aber wo versteckten sich die Murmeltiere?

Früher nahm man an, dass spezielle Wächtertiere die anderen Murmel durch lautes Pfeifen vor Feinden warnen. Heute geht man davon aus, dass einfach das Tier warnt, das zuerst eine Gefahr wittert. Ich bin mir da nicht so sicher. Als ich an der Almhütte Rast machte, waren die Murmel mucksmurmelstill. Kein Pfeifer verriet mir ihre Anwesenheit. Erst als ich den Wanderweg verließ und auf dem Berghang nach “meinen“ Murmeln suchte, schrillten die Pfiffe, woraufhin die ganze Murmelfamilie wild durcheinander kollerte und in ihren Baulöchern verschwand. Jetzt hieß es für mich hinsetzen und warten. Es dauerte nur wenige Minuten bis die ersten neugierigen Köpfe aus dem Bau lugten, aber ganze zwei Stunden bis mich die Tiere auf Fotodistanz von etwa 8 Metern herankommen ließen. Manche Murmel akzeptierten meine Anwesenheit ohne sichtliche Reaktionen, andere blieben stets wachsam, pfiffen mich regelrecht aus, wenn ich einen Mindestabstand unterschritt. Zumindest in diesem Familienverband übernahmen die Tiere also durchaus unterschiedliche Aufgaben, die am besten zu ihrem jeweiligen Charakter “passten“. Es gab in der Gruppe die Pfeifer, die Coolen, die Vorsichtigen, die Ängstlichen und die Ignoranten. Das Verhalten der Murmel scheint keineswegs so umfassend erforscht zu sein, wie man das bei einem so bekannten Alpentier vermuten würde. Vielmehr zeigen die Murmeltiere ein komplexes und vielschichtiges Sozialverhalten und sind bestimmt noch für einige verhaltensbiologische Überraschungen gut.