Sex sells – Wie Pflanzen Tiere täuschen
geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos
Tiere interessieren sich für Pflanzen vor allem, wenn sie als Futter in Frage kommen. Die Vorstellung, dass sich Tiere mit Pflanzen als Sexualpartner einlassen, ist absurd, aber genau dies versuchen manche Insektenarten bei den Blüten einiger unserer Orchideen. Natürlich sind es die Männchen, die auf den Trick der Pflanzen hereinfallen. Zu ihrer Ehrenrettung muss erwähnt werden, dass die Orchideenblüten der Ragwurzarten vielen Insekten täuschend ähnlich sehen, wie zum Beispiel die der hier abgebildeten Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) große Ähnlichkeit mit einer weiblichen Langhornbiene (Eucera spec.) aufweist. Bedenkt man außerdem, dass die Orchidee chemische Duftstoffe freisetzt, die den Sexuallockstoffen der Insektenweibchen entsprechen, wundert es kaum noch, dass die paarungswilligen Bienenmännchen – optisch und olfaktorisch betört – in die Liebesfalle tappen und zur Scheinpaarung ansetzen.
Weshalb aber der ganze Aufwand? Warum haben sich bei diesen Orchideen so komplizierte Blütenbaupläne entwickelt? Die Frage lässt sich beantworten, wenn wir noch etwas genauer hinsehen. Das Bienenmännchen setzt zur Paarung auf der Blüte an, berührt mit dem Kopf den vermeintlichen Hinterkopf der Partnerin und führt Kopulationsbewegungen aus. Dabei bleiben winzige Pollenpakete auf der Stirn des Männchens hängen. Interessant ist, dass es bei der Scheinpaarung nicht zur Ejakulation des Spermas kommt, was möglicherweise Voraussetzung dafür ist, dass das Männchen nach einer neuen „Partnerin“ Ausschau hält. Findet es eine andere Blüte wiederholt sich der Vorgang, die mitgebrachten Pollenpakete bleiben auf der klebrigen Narbe der Blüte hängen und die Pflanze wird damit befruchtet. Das Tier dient somit als Samentaxi und Bestäuber der Pflanze ohne dass es einen konkreten Gegenwert dafür bekommt. Und nicht nur das: Es hat auch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Männchen seiner Art, weil es Zeit und Energie für eine – aus Insektensicht – sinnlose Paarung verschwendet. Wie bei uns scheint sich „sex sells“ in der Natur nur für eine Seite zu rechnen: Die Pflanze verdient am Sex, das Männchen bezahlt dafür.


