Kein Smartphone, kein Foto?

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Abends im Bannwald

Es gibt ja den bekannten Spruch, dass die beste Kamera diejenige ist, die man dabei hat. Aber stimmt das wirklich? Ist es wirklich besser, ein außergewöhnliches Foto, vielleicht sogar ein einmaliges, auf den Chip eines Smartphones speichern zu können, als es mangels Kamera bleiben lassen zu müssen? Wenn ich mir die digitale Bilderflut im Internet ansehe und das Selfie-Gehabe in manchen Kreisen, kommen mir doch Zweifel, ob diese fotografische „Ich-kann-immer“-Mentalität nicht eher Fluch als Segen ist. 

Ich gehöre zu den 10 % der Deutschen, die kein Smartphone besitzen. Ganz bewusst. Ich muss mein Gegenüber im Gespräch sehen, ich möchte auf seine Mimik reagieren, seine Körpersprache in meine Argumentation einbeziehen können. All das geht nicht oder nur sehr rudimentär beim Telefonieren oder Chatten oder Hangouten oder Skypen oder was auch immer man uns als innovative Must-have-Technologie vorsetzt. Ich mag diese app-geschmackte Suppe nicht löffeln!

Ich möchte meine Bilder erarbeiten, sowohl aktiv als auch kreativ. Das geht zum Glück (noch) nicht mit einem Smartphone. Das Foto oben entstand in einem Bannwald nachdem ich zwei Stunden mit schwerem Fotogepäck durch einen menschenleeren Forst gewandert bin (übrigens mitten in Deutschland in einer dicht besiedelten Region). Ich kann mich noch genau an die Stimmung vor Ort, die Geräusche, die Temperatur erinnern und auch an die verschiedenen Brennweiten, die ich ausprobierte, um dieses Bild mit den im Abendlicht aufglühenden Buchenblättern genau so realisieren zu können. Hätte ich keine Kamera dabeigehabt, hätte ich das Bild im Kopf gemacht und in meiner Erinnerung archiviert. Ist das nicht schöner und Sinn stiftender als 100 Fotos von Bäumen mit durchgehender Schärfentiefe auf Instagram hochzuladen?

Ich brauche nicht das beste Produkt, sondern ein Produkt, das zu mir passt. Genauso wenig mag ich Fotos produzieren, nur weil die Mehrheit der anderen, das auch so macht. Meine Bilder sind Gefährten meiner Erinnerung an die ich mich wende, wenn ich mich auf das Ereignis besinnen möchte, wenn ich Revue passieren lassen will. Ein Bild, das nur dem Selbstzweck dient, kann niemals diesen Zweck erfüllen.