Der einzige seiner Art

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Der Alpenrachen ist eine monotypische Art des Hochgebirges

Beim Wandern in den Alpen stolperte ich in etwa 1500 m Höhe über diese hübsche Blume, die mich zunächst etwas ratlos machte. Wir wollen ja immer sortieren und katalogisieren, aber davor steht erst einmal die simple Identifizierung des Fundes. Irgendetwas hatte das Pflänzchen an sich, das mich irritierte, so dass ich es in den sich öffnenden Schubladen “Rachen- oder Lippenblütler“ nicht wirklich einordnen konnte. Die kniehohe Staude wehrte sich bildlich gesprochen mit allen Blüten- und Grünblättern gegen mein Schubladendenken und so machte ich ein paar Belegfotos für die spätere Bestimmung.

Das erwies sich als eine gute Idee, denn ich hatte in dem Geröllfeld den Alpenrachen Tozzia alpina entdeckt. Diese Pflanze ist der alleinige Vertreter innerhalb der Gattung Tozzia, das heißt, auf der ganzen Welt gibt es nur eine einzige Tozzia-Art, nämlich unsere goldgelb im Halbschatten blühende Schönheit. Der Taxologe, also der Wissenschaftler, der sich mit der Systematik der Lebewesen beschäftigt, nennt solche Arten monotypisch. Bekannte monotypische Arten sind der Ginkgobaum oder das Schnabeltier, fast immer hoch interessante und speziell angepasste Arten. Das Besondere am Alpenrachen ist seine phytoparasitische Lebensweise: Als Jungpflanze schmarotzt er unterirdisch an Alpendost und Pestwurz bis er mit der Ausbildung eigener grüner Blätter nur noch als Halbschmarotzer agiert. Positiver ausgedrückt könnte man sagen, dass der Alpenrachen mit geringstem Einsatz das Maximum (an Nährstoffen) für sich herausholt.

Der abgebildete Alpenrachen auf dem Foto ist zum Glück nicht der letzte seiner Art, wohl aber der einzige seiner Gattung. Verschwindet die Art dann stirbt mit ihr gleich die ganze Gattung aus. Das gilt übrigens auch für den Menschen, den einzigen aktuellen Vertreter der Gattung Homo. Damit dürfte auch klar sein, dass ein Mensch ein Mensch und nichts als ein Mensch ist – egal wie unterschiedlich die einzelnen Individuen in Aussehen und Verhalten überall auf der Welt auch sein mögen. Ein unscheinbares Kraut am Wegesrand kann also durchaus einen Denkanstoß für philosophische Betrachtungen geben.