Bionik für Faschingsnasen

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Schön und selten

Seit die Menschen existieren nutzen sie die Vielfalt der Natur auch für eigene technische Erfindungen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Klettverschluss, dessen Prinzip den Hafthäkchen der Klettfrüchte abgeschaut ist. Aber wussten Sie schon, dass die vom Wind verbreiteten Sporen der Farnpflanzen Vorbild für Papierkonfettis waren? Und nicht nur das: Die vor allem bei Kindern beliebten ausblasbaren bunten Papierrollen haben ihre Entsprechung in dem eingerollten Farnwedel auf dessen Unterseite die Sporenkonfettis haften. Nicht Weintrauben oder Hopfenblüten müssten deshalb die Symbole der närrischen Zunft sein sondern ein Farnwedel.

Farne sind spannende Pflanzenwesen, deren Fortpflanzungsprinzip erst 1851 von dem fast vergessenen Botaniker und Buchhändler Friedrich Wilhelm Benedikt Hofmeister entdeckt worden ist. Hofmeister erkannte, dass auch bei Pflanzen Generationswechsel innerhalb eines Lebenszyklus auftreten können, was so bisher nur von Tieren bekannt war. Er beobachtete, dass bei Feuchtigkeit aus den Sporenkapseln zuerst ein unscheinbarer herzförmiger Vorkeim (Prothallium) wächst, der dann auf seiner Unterseite die eigentlichen Keimzellen (Samen und Eizelle) ausbildet. Nach deren Verschmelzung entsteht auf dem absterbenden Prothallium die neue sporenbildende Farnpflanze. Vor dieser Entdeckung war man davon ausgegangen, dass jede Pflanze zwingend eine Blüte ausbilden musste, um sich zu vermehren. Die Menschen glaubten daran, dass der Farn nur in der geheimnisvollen Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni blühte. Dem Aberglauben zufolge wurde derjenige unsichtbar in dessen Schuhe der Farnstaub aus dieser Nacht rieselte.

Das Foto zeigt den bei uns seltenen Schriftfarn Asplenium ceterach, der auch Milzfarn genannt wird, weil er im Mittelalter gegen Milzleiden verwendet wurde. Die Aufnahme entstand in einem alten Weinstock in der Nähe von Bad Rappenau. Wenn Sie so einen hübschen Farn auf einer alten Mauer finden, haben Sie etwas Besonderes entdeckt und dürfen sich darüber ganz “närrisch“ freuen.