Die Mondraute (Botrychium lunaria) ist etwas ganz besonders und nur wenige Menschen kennen diese seltene Farnpflanze. Da der Farn nur langsam wächst und sehr empfindlich auf den Eintrag von Dünger reagiert, gehen die Bestände in Mitteleuropa kontinuierlich zurück. Seinen Namen verdankt die Mondraute der Form ihrer Farnwedel oder aber – was spannender ist - dem mittelalterlichen Aberglaube, dass die Blätter im Mondschein zu leuchten beginnen.
Vielleicht inspirierte das mystische Kraut auch Otfried Preußler als er den Kasperl bei Mondschein auf die Suche nach dem dann silbrig leuchtenden Feenkraut schickte, mit dessen Hilfe sich die Unke wieder in ihre wahre Feengestalt zurückverwandeln ließ.
Wie alle Farne bildet die Mondraute keine Blüten aus, sondern sogenannte Sporangien in denen sich die Farnsporen befinden. Bei den Farnen auf der Abbildung handelt es sich um junge Pflanzen bei denen die Sporangien noch nicht fertig ausgebildet sind und eng an der Sproßachse anliegen. Das links stehende Exemplar war nur zwei Zentimeter hoch und entsprechend groß war meine Freude, als ich diesen zauberhaften Winzling am Fuße einer Blockhalde entdeckte.
Eine der Schlüsselszenen im Alten Testament ist Gottes Offenbarung gegenüber Moses auf dem Wüstenberge Horeb. Beim Schafehüten in der kargen und heißen Gegend bemerkt Moses einen brennenden Busch, der von den Flammen aber völlig unbeschadet zu sein bleibt. Neugierig nähert sich Moses und wird von Gott aus dem Feuer heraus angesprochen und ermutigt, das Volk Israels aus der Knechtschaft heraus in die Freiheit zu führen. Diese symbolträchtige Erscheinung wurde von vielen Künstlern später aufgegriffen – eine der berührendsten bildlichen Darstellungen der Szene stammt von Marc Chagall:
Es gibt tatsächlich eine Pflanze, die so hohe Konzentrationen von ätherischen Ölen produzieren kann, dass es zu einer Selbstentzündung der ölgesättigten Luft über den Fruchtständen kommen kann. Die Rede ist vom Diptam, eine wärmeliebende Staudenpflanze mit zartrosa Blüten von außergewöhnlicher Schönheit. In Deutschland findet man die geschützte Pflanze nur im Bereich regionaler Wärmeinseln, so zum Beispiel in einigen Naturschutzgebieten rund um den Kaiserstuhl.
Damit ist das “Wunder“ des unbeschadet bleibenden, brennenden Busches natürlich weder widerlegt noch erklärt, aber es zeigt uns, dass selbst die unglaublichsten Erzählungen oft ein natürliches und erklärbares Phänomen in der Vielfalt natürlicher Prozesse widerspiegeln.
Mit einer Doppelbelichtung versuchte ich die Illusion von züngelnden Flammen in der Luft fotografisch anzudeuten.
Das Leberblümchen wurde von der Stiftung Naturschutz Hamburg zur Blume des Jahres 2013 gewählt und erhält damit die Aufmerksamkeit, die es sicherlich verdient. Wer einmal Mitte März in einem naturnahen Kalkbuchenwald das flächenhafte violette Erblühen von Hepatica nobilis erlebt hat, wird diesen wunderschönen Anblick nie mehr vergessen. Wie so oft heißt aber wirksamer Artenschutz vor allem den Schutz des Biotops und es verwundert nicht, dass sich Leberblümchenstandorte fast immer in ausgewiesenen Naturschutzgebieten befinden. Die frühere Beliebtheit der Pflanze in der Volksheilkunde spiegelt sich in den unzähligen lokalen Bezeichnungen wider, wie zum Beispiel Fastenblume, Leberkraut und Herzfreude. Am besten gefällt mir der Name “Vorwitzchen“, weil er mit einem Augenzwinkern auf das frühzeitige Erscheinen im Frühlingswald verweist. Der Trick dabei ist, dass die Pflanze den Farbstoffkomplex Anthocyan produziert und damit vor allem blaues energiereiches Licht absorbiert und in Wärmeenergie umwandelt. Zusätzlich wirkt das Farbmolekül wie ein Frostschutzmittel, da es den Gefrierpunkt in der Zellvakuole herabsetzt. So schützt sich das zarte Pflänzlein vor späten Frosteinbrüchen und erfreut uns mit einem kurzen aber umso eindrucksvolleren Blühereignis.
ist zurzeit kaum auf dem Winterhauch zu spüren, so dass ich heute auf ein Winterbild aus dem Jahre 2011 zurückgreifen muss.
Die poetische Bezeichnung Winterhauch für den Gebirgsrücken zwischen Mudau und Waldbrunn spiegelt das raue Klima der Gegend wider, die nicht umsonst liebevoll-respektlos als Badisch-Sibirien bezeichnet wird. Dabei sorgt das kühle Mittelgebirgsklima am Fuße des Katzenbuckels oft genug für verschneite und malerische Winterimpressionen.
Der frische Wind auf dem Winterhauch könnte dem Landschaftsbild letztendlich zum Verhängnis werden. So muss die Kommune eine Vorgabe der Landesregierung umsetzen und die Voraussetzungen für die Nutzung von Windenergie schaffen. Ein Windpark mit einer Gesamtfläche von mehr als 300 Fußballfeldern steht in der Planung und es ist zu befürchten, dass ein sensibles, kleinräumiges und in dieser Form einmaliges Landschaftsbild dem vermeintlichen Gemeinwohl geopfert wird. Dass es auch anders geht, belegen vorhandene Kleinwindkraftanlagen, die schon heute effizient und landschaftsschonend laufen.
Schuppen auf dem Kopf mag niemand haben, dabei wird schnell übersehen, dass Schuppen in der Natur weit verbreitet und durchaus ein Erfolgsmodell sind. Als Schuppen bezeichnet man abgeflachte Plättchen organischen Ursprungs mit einer dachziegelförmigen Struktur und Anordnung. Kopfschuppen bestehen wie die Haare aus Keratin, Fischschuppen aus keratinhaltigen Kalkplättchen und die schuppige Haut der Reptilien ist ebenfalls aus dieser hornähnlichen Substanz aufgebaut. Bei den Insekten haben nur die Schmetterlinge Schuppen ausgebildet, die aus Chitin bestehen, das dem Keratin sehr ähnlich ist und nach der Zellulose die häufigste Bausubstanz lebendiger Organismen darstellt. Eine Schmetterlingsschuppe ist etwa einen Zehntel Millimeter lang und gerade noch für ein menschliches Auge in Leseabstand zu erkennen. Die Mikrostruktur einer Schmetterlingsschuppe ist ein Paradebeispiel für ein gleichermaßen leichtes und stabiles Gebilde. Schmetterlingsschuppen bestehen aus einer durchlässigen aber sehr stabilen Chitinhülle. Innen sind sie hohl und luftgefüllt. Aufgrund dieser einzigartigen Struktur erfüllen sie die unterschiedlichsten Anforderungen und können als multifunktionale Organe bezeichnet werden: Sie verbessern den Auftrieb und die Flugfähigkeit, signalisieren dem Sexualpartner „Schau, hier bin ich!“ und dienen der Regulierung der Körpertemperatur zum Beispiel durch Aufnahme der Sonnenstrahlung und Erwärmung der Flügelmuskulatur auf die notwendige Betriebstemperatur. Da die Schmetterlingsschuppen an der Basis nur über einen dünnen Stiel mit dem Flügel verbunden sind, können sie leicht herausbrechen und bleiben dann als sogenannter Schmetterlingsstaub auf unseren Fingern haften. Entsprechend behutsam sollte man mit den farbenprächtigen Faltern umgehen.
Das kleine Foto zeigt das Originalbild eines Hauhechelbläulings, der Ausschnitt des Flügels ist etwa 25fach vergrößert.
Der Sandstein ist die häufigste Gesteinsformation im Odenwald und prägt bis in die Gegenwart das Erscheinungsbild der Landschaft. Entstanden ist das Gestein aus Ablagerungen riesiger Schwemmflüsse, die vor etwa 250 Millionen Geröll und Sand hierher verfrachteten. Im Laufe der Jahrmillionen verdichtete und versteinerte sich das Sediment zu dem heute sichtbaren Buntsandstein.
Die mächtigen Heunesäulen bei Kleinheubach (Miltenberg) am Bullauer Berg sind meterlange Steinkolosse, die am Stück aus dem Berg gehauen wurden. Die meisten, der ursprünglich aus dem Blockmeer gebrochenen Säulen, wurden im Laufe der Jahrhunderte abtransportiert. Das Besondere an den Säulen am Bullauer Berg ist, dass sie völlig unbeschädigt sind und noch heute verwendet werden könnten. Ihr genaues Alter ist unbekannt – man schätzt, dass die Kolosse schon seit mehr als 1000 Jahren existieren.
Zu Recht wurden die Säulen zum Geotop des Jahres 2008 im Naturpark Bergstraße-Odenwald gewählt.
1. Die Margaretenschlucht bei Neckargerach ist einer der Höhepunkte des 2012 eingeweihten Qualitätswanderweges Neckarsteig, der von Heidelberg bis Bad Wimpfen führt (siehe: http://www.neckarsteig.de). Die tief eingeschnittene Schlucht gleicht einem Fenster in die Erdgeschichte und kann in ganzer Länge durchwandert werden.
2. Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) ist eine typische Kahlschlagpflanze und wächst überall dort wo zwecks Holzentnahme breite Schneisen in unsere Wälder geschlagen werden. Zumindest optisch entschädigt sie so für die verschwundenen Bäume.
3. Eine Charakterart unserer Mittelgebirge ist der Feuersalamander, der mit seiner aparten Warnfärbung signalisiert: „Freß mich nicht, ich bin giftig!“. In den sauerstoffreichen Bächen des Odenwaldes findet man bis Ende August die aquatisch lebenden Larven der Amphibie. Die erwachsenen Tiere leben an Land und gehen nachts auf Beutesuche.
4. Buchenwälder sind die natürliche Waldform unserer mitteleuropäischen, kontinental beeinflussten Klimazone. Bis dieser kleine Buchenzweig zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist, werden aber noch viele Jahrzehnte vergehen.
5. Diese Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) hat eine Biene erbeutet, die mehr als doppelt so groß ist. Die Spinnenweibchen können die Farbe wechseln und mit der “Mode gehen“, so dass man früher fälschlicherweise davon ausging, dass es sich um unterschiedliche Arten handelte.
6. Im August verwandeln die mit Mohn gespickten Sonnenblumenfelder die Kulturlandschaft des Neckar-Odenwaldes in ein buntes Farbenmeer.
7. Der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia) gehört zu den schönsten Frühlingsblumen und besiedelt nur unverbaute, naturnahe Bereiche des Neckars, wie sie zum Beispiel in der Nähe von Hirschhorn noch vorkommen.
8. Neugieriges Pony auf einer einsamen Weide bei Beerfelden. Ob es wohl schon einmal auf dem Pferdemarkt aufgetreten ist (http://www.beerfelder-pferdemarkt.de)?
9. Tausende von Graslilien verzaubern diese Waldlichtung. Die Doppelbelichtung unterstreicht den märchenhaften Charakter der Szene.
10. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea) ist sicherlich eine unserer schönsten Orchideenarten. Die Unterlippe der Blüte bildet den Körper einer Hummel nach. Während der Begattungsversuche der Hummel werden die Pollenpakete von Blüte zu Blüte übertragen. Hier ist es also die Pflanze, die das Tier für sich arbeiten lässt.
11. Weibliche Krabbenspinne (Xysticus cristatus) bewacht ihren Kokon mit Eiern.
Noch mehr Odenwald? Dann gefällt Ihnen vielleicht mein kleines Video auf YouTube: Naturreise in den Odenwald
Tiere interessieren sich für Pflanzen vor allem, wenn sie als Futter in Frage kommen. Die Vorstellung, dass sich Tiere mit Pflanzen als Sexualpartner einlassen, ist absurd, aber genau dies versuchen manche Insektenarten bei den Blüten einiger unserer Orchideen. Natürlich sind es die Männchen, die auf den Trick der Pflanzen hereinfallen. Zu ihrer Ehrenrettung muss erwähnt werden, dass die Orchideenblüten der Ragwurzarten vielen Insekten täuschend ähnlich sehen, wie zum Beispiel die der hier abgebildeten Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) große Ähnlichkeit mit einer weiblichen Langhornbiene (Eucera spec.) aufweist. Bedenkt man außerdem, dass die Orchidee chemische Duftstoffe freisetzt, die den Sexuallockstoffen der Insektenweibchen entsprechen, wundert es kaum noch, dass die paarungswilligen Bienenmännchen – optisch und olfaktorisch betört – in die Liebesfalle tappen und zur Scheinpaarung ansetzen.
Weshalb aber der ganze Aufwand? Warum haben sich bei diesen Orchideen so komplizierte Blütenbaupläne entwickelt? Die Frage lässt sich beantworten, wenn wir noch etwas genauer hinsehen. Das Bienenmännchen setzt zur Paarung auf der Blüte an, berührt mit dem Kopf den vermeintlichen Hinterkopf der Partnerin und führt Kopulationsbewegungen aus. Dabei bleiben winzige Pollenpakete auf der Stirn des Männchens hängen. Interessant ist, dass es bei der Scheinpaarung nicht zur Ejakulation des Spermas kommt, was möglicherweise Voraussetzung dafür ist, dass das Männchen nach einer neuen „Partnerin“ Ausschau hält. Findet es eine andere Blüte wiederholt sich der Vorgang, die mitgebrachten Pollenpakete bleiben auf der klebrigen Narbe der Blüte hängen und die Pflanze wird damit befruchtet. Das Tier dient somit als Samentaxi und Bestäuber der Pflanze ohne dass es einen konkreten Gegenwert dafür bekommt. Und nicht nur das: Es hat auch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Männchen seiner Art, weil es Zeit und Energie für eine – aus Insektensicht – sinnlose Paarung verschwendet. Wie bei uns scheint sich „sex sells“ in der Natur nur für eine Seite zu rechnen: Die Pflanze verdient am Sex, das Männchen bezahlt dafür.
Das Bild stammt keineswegs aus dem brasilianischen Regenwald, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, sondern aus der Schwabenmetropole Stuttgart, genauer gesagt aus dem zoologisch-botanischen Garten der Stadt. In der Wilhema - benannt nach König Wilhelm I. von Württemburg – stehen prächtige Gebäude im maurischen Baustil. Deshalb nennt man die Wilhelma auch liebevoll “Alhambra am Neckar“. Blickpunkt und Zentrum des maurischen Gartens ist das kreisrunde Seerosenbecken in dem Lotusblumen und gigantische Riesenseerosen blühen. Die Schwimmblätter der Victoria amazonica haben einen Durchmesser bis zu 4 m und können ein Gewicht von etwa 60 kg tragen. Das Blatt ist nach unten mit Stacheln gegen Tierfraß geschützt und enthält luftgefüllte Interzellularräume, die es schwimmfähig machen. Das Schwimmblatt ist so stabil, leicht und belastbar, dass sein Aufbau als Vorbild in der Gerüstkonstruktion verwendet wurde. Benannt wurde die imposante Pflanze zu Ehren von Königin Victoria von England. Der Graureiher (Ardea cinerea) ist ein typischer Kulturfolger und stillt seinen Hunger schon einmal an den Goldfischen im Gartenteich oder wie hier im Seerosenbecken des Maurischen Gartens. Man sollte ihm die Fischmahlzeit gönnen, da er eine Bereicherung unserer Fauna darstellt und Mitte des letzten Jahrhunderts bei uns fast ausgerottet war. Nach dem Storch gehört er zu den größten einheimischen Vögeln. Trotz seiner Größe ist er kaum 2 kg schwer, so dass ihn die Schwimmblätter locker tragen können. Einst ein Privatgarten für einen König wandelte sich die Wilhelma ab 1880 zu einem Erholungs- und Ausflugsziel der Stuttgarter Bürger und ist heute weit über die Landesgrenzen bekannt und beliebt. Lesenswerte Informationen über die Entstehung der Wilhelma finden Sie unter http://www.wilhelma.de/de/park-und-geschichte.html
Ich bin ein großer Fan von Wasserfällen und immer wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, besuche ich diese nassen Naturwunder. Bei uns im Odenwald gibt es leider keine so große Auswahl an spektakulären Wasserfällen. Umso mehr freue ich mich über die Existenz einer bemerkenswerten Ausnahme. Die Margaretenschlucht östlich von Neckargerach überrascht durch ihren wilden und alpinen Charakter. Hier hat sich der kleine Flursbach im Laufe der Jahrmillionen durch den Buntsandstein genagt und ein Naturparadies geschaffen, das man so nicht im beschaulichen Neckartal erwartet hätte. Mit einer Fallhöhe von 110 m über mehrere Stufen gehört der Wasserfall zu den höchsten in Deutschland. In den Gumpen zwischen den einzelnen Abbruchkanten legt der Feuersalamander seine Larven ab, die für ihr Überleben auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Seltene Farne gedeihen in der Schlucht, wie zum Beispiel der Schwarzstielige Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum) und der Gelappte Schildfarn (Polystichum aculeatum), letzterer eine Charakterart feuchter Bergwälder. Obwohl die Schlucht ein Naturschutzgebiet ist, darf man den Kernbereich durchwandern. Ein schmaler Pfad, der an manchen Stellen an alpine Klettersteige erinnert, führt mitten hindurch und vor allem die häufigen Wechsel auf die andere Bachseite bieten - je nach Wasserstand - ein feuchtfröhliches Wandervergnügen. Der Naturpark Neckartal-Odenwald hat an besonders interessanten Stellen Tafeln aufgestellt, die über das Schutzgebiet und seine Besonderheiten informieren. Am schönsten präsentiert sich die Margaretenschlucht im Mai oder Juni, wenn das frische Grün des Laubmischwaldes die tosenden Wasser umrankt. Wer jetzt neugierig geworden ist und seinen nächsten Familienausflug nach Neckargerach planen möchte, dem empfehle ich einen digitalen Blick in die Webseiten des Naturparks: http://www.naturpark-neckartalodenwald.de/index.php?id=77
Vielleicht treffen wir uns ja schon bald bei Farn und Feuersalamander.
Dort wo sie vorkommen fallen Sie auf: Grüne Miniaturbecher, winzige Keulen, zierliche Trompeten, weiche Schwämmchen, stachlige Bärte, kreisrunde Teppiche und grellgelbe Krusten. Die Rede ist von den Flechten, die an Plätzen gedeihen wo andere Pflanzen kaum Halt, geschweige denn genügend Nährstoffe finden: Auf hartem Urgestein, dicker Borke, blankem Fels und hohen Baumkronen, aber auch auf alten Mauern sowie Holz- und Steingebäuden.
Flechten sind Doppelwesen. Chimären aus Algen und Pilzen. Der Pilz holt sich von der Alge energiereiche Nahrung, die sie aufgrund ihrer Fähigkeit zur Photosynthese herstellen kann und die Alge nutzt das fein verzweigte Pilzgeflecht als Schutz vor Beschädigung und Austrocknung. Flechten sind demnach Zweckgemeinschaften zwischen zwei Partnern. Man nennt diese Win-Win-Situation eine Symbiose. Es spricht viel dafür, dass sich funktionierende Symbiosen aus ursprünglich voneinander parasitierenden Organismen entwickelt haben. Zwei Lebewesen, die im Dauer-Clinch miteinander standen, fanden ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen, das sich evolutionär perfektionierte und manifestierte. Man kann sich das auch so vorstellen: Der Pilz stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und die Alge bringt das Essen mit. Die Party kann beginnen!
Haben Ihre Eltern Sie auch manchmal daran erinnert, dass Sie nichts als Flausen im Kopf haben, anstatt sich um die (berufliche) Zukunft zu kümmern? Genau daran musste ich beim überraschenden Treffen mit diesem Jungsperber denken, der etwas verloren und zerzaust direkt neben einem Wanderweg im Eberbacher Stadtwald hockte. Die Elterntiere waren nirgends zu sehen, halten sich aber bei scheinbar verwaisten Jungvögeln meistens irgendwo in der Nähe auf. Obwohl der kleine Greifvogel keinerlei Scheu zeigte, machte ich nur eine Handvoll Aufnahmen und ging schnell weiter. Als ich nach drei Stunden zurückkam, war der Ausreißer verschwunden.
Ein gutes Beispiel dafür, dass junge Wildtiere nur selten den Schutz und den Eingriff der Menschen benötigen. Meist halten sich die Elterntiere irgendwo in der Nähe auf und warten nur darauf, dass die Luft wieder rein ist. Bleiben wir also gleichermaßen gelassen beim Umgang mit den Flausen im Kopf unserer Kinder und mit denen darauf!
Man sagt, dass der Stich von sieben Hornissen ausreicht, um ein Pferd zu töten. Die imposante Größe, die schwarzgelbe Warnfarbe des Hinterleibs, das tiefe, unheimliche Brummen beim Flug und die diffuse Furcht vor der Gefährlichkeit des Stiches, lassen viele Menschen panisch reagieren, wenn sie eine Hornisse sehen. Tatsächlich stechen Hornissen so gut wie nie und selbst wenn man sich in unmittelbarer Nähe des Nestes aufhält, bleiben sie noch erstaunlich tolerant solange man sich nicht in die direkte Flugbahn begibt oder Manipulationen am Nest durchführt. Im Labor haben Ratten mehrere hundert Hornissenstiche überlebt, so dass sich die Wirkung eines Hornissenstichs mit dem von Bienen und Wespen vergleichen lässt. Die tatsächliche Toxizität ist sogar geringer als die von Honigbienen, die aufgrund des begehrten Honigs einem höheren Evolutionsdruck zur möglichst effektiven Verteidigung des Neststockes ausgesetzt waren. Im Gegensatz zur Deutschen Wespe interessieren sich Hornissen auch keineswegs für Bratwürste oder Zwetschgenkuchen.
Nach der Überwinterung sucht die befruchtete Königin im Mai einen geeigneten Nistplatz in hohlen Baumstämmen, leeren Vogelkästen oder alten Scheunen und Dachböden. Die Königin zerkaut morsches Holz zu Streifen aus Zellulose und formt daraus Hülle und erste Waben für das neue Nest, das sozusagen aus Holz und Spucke gebaut wird. Über die Sommermonate wächst das Hornissenvolk auf etwa 500 Tiere heran, die pro Tag bis zu 0,5 kg Insekten für die Brut herbeischaffen. Hier wird deutlich, welchen Beitrag staatenbildende Faltenwespen zur Reduzierung von Schadinsekten leisten. Ab Juni übernehmen die jungen Arbeiterinnen den weiteren Bau des Nestes sowie zusätzlich das Putzen und Füttern der Larven. Die Königin legt dann nur noch Eier aus denen außer den Arbeiterinnen später auch männliche Hornissen (Drohnen) und Königinnen schlüpfen werden, die im nächsten Jahr an anderen Orten ihre eigenen Völker aufziehen werden.
In unseren Wäldern gibt es kaum eine schönere und giftigere Blütenpflanze als den Roten Fingerhut, die oft massenhaft auf Kahlschlägen, Lichtungen und Waldrändern wächst. Die Giftigkeit lässt sich auf verschiedene Digitaloide zurückführen, die in der Medizin auch zur Stärkung der Herzaktivität eingesetzt wurden und werden. Zum Glück sind Vergiftungen beim Menschen selten, da alle Pflanzenteile bitter schmecken. Wer gerne auf hohem Ross durch den Wald reitet, sollte darauf achten, dass sein Pferd nicht an den Giftglocken knabbert. Die Robustheit des Pferdemagens kann nämlich keineswegs mit der Toxizität der Pflanze mithalten. Für Hummeln und viele andere Insekten stellen Fingerhutblüten allerdings eine wichtige Nahrungsquelle im Wald dar. Die auffälligen weiß-umrandeten Saftmale interpretiert man als optische Wegweiser, die das Insekt zu den Pollen im Innern der Blüte lenken sollen.
Viele Legenden ranken wie wilder Efeu rund um den Fingerhut. Besonders nett ist die Vorstellung, dass die Blüten gerne als Elfenhüte oder Zwergenmützen verwendet werden. Der englische Name foxglove beruht auf der Vorstellung, dass sich Füchse die Blüten über die Füße stülpen, um auf „lautlosen Pfoten“ in den Hühnerstall zu schleichen. Kein Märchen ist dagegen die Tatsache, dass die Pflanze auch als Kompass genutzt werden kann. Wer sich bei bedecktem Wetter im Wald verirrt, der sollte sich nach Digitalis umsehen: Die Blüten richten sich stets mit der Öffnung nach Süden aus. Sicherheitshalber sollte man sich dabei jedoch nicht auf eine Einzelpflanze verlassen, sondern in diesem Fall ausnahmsweise der Meinung der Mehrheit folgen.
Wunderschön erblüht im Oktober die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) vor allem auf feuchten, nährstoffreichen und lehmigen Wiesen und Weiden. Die Blütenstände erinnern an Krokus oder Safran, worauf auch der englische Name “Autumn Crocus“ verweist. Die Pflanze überwintert als Knolle und treibt im Frühling lilienförmige Blätter aus, die sich bis zum Herbst fast völlig zurückgebildet haben, so dass nur die auffälligen Blüten sichtbar sind. Die Samen werden nach der Fruchtreife vom Wind und Ameisen verbreitet. Alle Bestandteile der Blume enthalten ein starkes Zellgift (Colchicin), selbst Kühe oder Ziegen verschmähen deshalb die Pflanze als Futter. Früher wurde die Herbstzeitlose als Heilmittel bei Gicht und Rheuma verwendet, allerdings dürfte die angemessene Dosierung das reinste Russisch Roulett gewesen sein. Auf die enorme Giftigkeit der Pflanze verweisen auch die derben volkstümlichen Namen, wie zum Beispiel Teufelsbrot, Leichenblume oder Hennenverrecka. Der wissenschaftliche Gattungsname bezieht sich auf das antike Kolchis an der Ostküste des Schwarzen Meers. Dort lebte die Königstochter Medea, die unter Verwendung von Herbstzeitlosen aus ihrem Garten eine junge Nebenbuhlerin ermordet haben soll, in die sich ihr Ehemann verliebt hatte. Wie so üblich in einem echten Drama blieb es nicht bei einer Toten: Die eigenen Kinder und der untreue Gatte verloren am Ende ihr Leben während Medea auf einem Drachen entschwand.
Kein gestrandetes Ufo mit fliegenähnlicher Besatzung aber doch ein Exot in unserer Fauna: Der Signalkrebs Pacifastacus leniusculus wurde in den 60er Jahren aus Nordamerika eingeführt, um einen Ersatz für den heimischen Edelkrebs (Astacus astacus) zu schaffen, dessen Bestände in Deutschland fast flächendeckend von der Krebspest dahingerafft worden sind. Die Krebspest wird durch den Schlauchpilz Aphanomyces astaci ausgelöst, dessen Sporen sich im Körper des befallenen Edelkrebses ausbreiten und zu einem Multifunktionsversagen lebenswichtiger Organe führen. Der Signalkrebs und alle anderen amerikanischen Krebsarten sind resistent gegen die Krankheit, gleichzeitig aber Überträger der Pilzsporen und damit hoch infektiös für den heimischen Edelkrebs. Außerdem ist der Signalkrebs in der Lage, über Land von einem Gewässer in ein anderes zu wechseln, so dass er sich rasch ausbreitet und dort wo er vorkommt alle anderen Krebsarten zurückdrängt. Man sollte ihn deshalb auch nicht im Gartenteich halten. Einmal infizierte Gewässer können nur dann für die Besiedelung durch den Edelkrebs wiedergewonnen werden, wenn es gelingt, sämtliche Fremdkrebse daraus zu entfernen. Dies ist in naturnahen Fließgewässern aber so gut wie unmöglich. Der Name des Signalkrebses bezieht sich auf die großen, weißblauen Flecken am Scherengelenk. Außerdem ist die Unterseite der Scheren auffällig rot gefärbt, wobei die möglichen Farbverläufe von einem hellen Orange bis zu einem dunklen Rostrot reichen können.
Das Bild zeigt die Überreste einer Krebsmahlzeit am Ufer des Elzbach, die dort nicht vom Fotografen hinterlassen wurde, sondern von einem unbekannten Fressfeind. Übrigens sollen die Krebse gekocht in Wasser oder einer Bouillon ganz vorzüglich schmecken. Was wiederum ein gutes Beispiel dafür ist, dass man fast allem auch eine positive Seite abgewinnen kann.