Bionik für Faschingsnasen

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Schön und selten

Seit die Menschen existieren nutzen sie die Vielfalt der Natur auch für eigene technische Erfindungen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Klettverschluss, dessen Prinzip den Hafthäkchen der Klettfrüchte abgeschaut ist. Aber wussten Sie schon, dass die vom Wind verbreiteten Sporen der Farnpflanzen Vorbild für Papierkonfettis waren? Und nicht nur das: Die vor allem bei Kindern beliebten ausblasbaren bunten Papierrollen haben ihre Entsprechung in dem eingerollten Farnwedel auf dessen Unterseite die Sporenkonfettis haften. Nicht Weintrauben oder Hopfenblüten müssten deshalb die Symbole der närrischen Zunft sein sondern ein Farnwedel.

Farne sind spannende Pflanzenwesen, deren Fortpflanzungsprinzip erst 1851 von dem fast vergessenen Botaniker und Buchhändler Friedrich Wilhelm Benedikt Hofmeister entdeckt worden ist. Hofmeister erkannte, dass auch bei Pflanzen Generationswechsel innerhalb eines Lebenszyklus auftreten können, was so bisher nur von Tieren bekannt war. Er beobachtete, dass bei Feuchtigkeit aus den Sporenkapseln zuerst ein unscheinbarer herzförmiger Vorkeim (Prothallium) wächst, der dann auf seiner Unterseite die eigentlichen Keimzellen (Samen und Eizelle) ausbildet. Nach deren Verschmelzung entsteht auf dem absterbenden Prothallium die neue sporenbildende Farnpflanze. Vor dieser Entdeckung war man davon ausgegangen, dass jede Pflanze zwingend eine Blüte ausbilden musste, um sich zu vermehren. Die Menschen glaubten daran, dass der Farn nur in der geheimnisvollen Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni blühte. Dem Aberglauben zufolge wurde derjenige unsichtbar in dessen Schuhe der Farnstaub aus dieser Nacht rieselte.

Das Foto zeigt den bei uns seltenen Schriftfarn Asplenium ceterach, der auch Milzfarn genannt wird, weil er im Mittelalter gegen Milzleiden verwendet wurde. Die Aufnahme entstand in einem alten Weinstock in der Nähe von Bad Rappenau. Wenn Sie so einen hübschen Farn auf einer alten Mauer finden, haben Sie etwas Besonderes entdeckt und dürfen sich darüber ganz “närrisch“ freuen.

Wegen Umbau geschlossen: Das Hotel “Zur Krötenhochzeit“

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Ein furchtloses Quartett

Mein Verhältnis zu Fischteichen darf getrost als zwiespältig bezeichnet werden. Einerseits handelt es sich um künstliche Stauwerke, die das durchfließende Bachwasser erwärmen und düngen, was der rheophilen Biozönose nicht immer gut bekommt, andererseits – besonders bei extensiver Bewirtschaftung und nicht zu hohem Besatz – kann ein Fischteich die Vielfalt der Landschaft und die kleinräumlichen Strukturen erhöhen, was sich insgesamt positiv auf die Artenvielfalt auswirkt. So ein extensiv vor sich hin schlummernder Forellenteich befindet sich am oberen Seebach in der Nähe von Lohrbach und jedes Jahr Ende März bin ich vor Ort, um die dort ablaichenden Erdkrötenweibchen zu bestaunen. Das jährliche Erdkrötentreffen ist ein faszinierendes und spektakuläres Naturerlebnis, das kaum weniger spannend ist, als die großen Tiermigrationen der afrikanischen Savanne. Leider versammeln sich von Jahr zu Jahr weniger Erdkrötenpaare am Ort ihrer Kindheit.

Dieses Jahr fiel die Krötenhochzeit ganz aus, weil der Betreiber des Fischteichs ausgerechnet im Frühling den Teich leer fischen musste. Abgestorbene Laichschnüre an der ursprünglichen Wasserlinie deuteten darauf hin, dass das Wasser genau zum Beginn der Krötenwanderung abgelassen worden war. Ich war – wie die wenigen Kröten, die in der schlammigen Pfütze in der Mitte des Beckens hockten – frustriert über so viel Gedankenlosigkeit. Unterhalb des Mönchs (so wird das eingelassene Ablaufrohr im Teich genannt) entdeckte ich die fortgespülte Hochzeitsgesellschaft, die sich in eine Steinschüttung gerettet hatte über die das ablaufende Wasser zurück in den Bach plätscherte. Für den Fotografen ergaben sich hier doch noch lohnende Bildmotive. Die Hochzeit am Krötenteich fiel dieses Jahr jedoch aus.

Schlagseitensonner mit Frostschutz im Blut

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Junges Zitronenfaltermännchen

Wenn die ersten Zitronenfaltermännchen wie gelbe Lichtkleckse durch den Wald flattern, ist der Frühling nicht mehr fern. Gonepteryx rhamni gehört zu den wenigen heimischen Tagschmetterlingen, die als erwachsene Tiere überwintern und sich schon im März die Sonne auf die Schuppen scheinen lassen. Nur die Männchen sind zitronengelb gefärbt, die Weibchen begnügen sich mit einem schlichten, weißgrünem Brautkleid. Die befruchteten Eier werden im April an Faulbaum oder Kreuzdorn abgelegt. Die Raupen sind echte Feinschmecker und fressen nichts anderes. Nach der Eiablage stirbt die Elterngeneration, doch schon im Juni schlüpfen die ersten neuen Falter. Für die jungen Halbstarken dauert die Sommerparty nur wenige Tage, anschließend wird bis in den Herbst hinein geschlafen und erst wenn die Tage wieder kühler werden, flattern und futtern sie ein zweites Mal aktiv herum. Für den Winterschlaf rüstet sich der Falter, indem er so viel Flüssigkeit wie möglich ausscheidet und gleichzeitig das Frostschutzmittel Glycerin im Blut anreichert. Nur so kann er die kalte Jahreszeit fast ungeschützt in der Vegetation überstehen. Damit ist Gonepteryx einer unserer zähesten und langlebigsten Tagfalter und kann das für einen Schmetterling hoch betagte Alter von zwölf Monaten erreichen. Damit beweist der Zitronenfalter: Viel Schlaf verlängert das Leben. Allerdings verpasst man auch die schönste Jahreszeit.

Lichtzeichen

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Lichtzeichen

Besonders faszinierend ist Fotografie dort, wo sie uns Lebenswirklichkeiten offenbart, die wir mit unseren Sinnesorgangen normalerweise nicht erfassen können. Als Augenmenschen haben wir ein ausgezeichnetes optisches Organ zur Verfügung und es kann nicht schaden, uns dies gelegentlich bewusst zu machen. Spannend wird es immer dann, wenn wir mit der Kamera Augenblicke sichtbar machen, die uns sonst verborgen geblieben wären. Dazu gehört vor allem die extreme Kurz- oder Langzeitbelichtung, aber auch bei mittellangen Belichtungszeiten lassen sich interessante “Zustände“ in der Natur finden, die wir mit der Kamera “einfrieren“ und somit erst sichtbar machen können. Ein schönes Beispiel dafür sind die Lichtreflexe, die die Wintersonne auf einen Bach oder Fluss zaubert, besonders dort wo das Wasser schnell über einen Stein oder ein anderes Hindernis fließt. An diesen flachen Stellen werden die Sonnenstrahlen reflektiert und zusammen mit der Bewegung der fließenden Welle entstehen Lichtreflexe, die sich zu grafischen Linien verdichten. Diese Lichtspuren ergeben manchmal unerwartete und überraschende Bildergebnisse und es macht viel Spaß, damit zu experimentieren. Probieren Sie es einmal aus und lernen Sie die Lichtschrift ihres Lieblingsgewässers kennen.

Herbst auf dem Breitenstein

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Rund um den Breitenstein gibt es herrliche Wanderwege

Südöstlich von Eberbach erhebt sich der Schollerbuckel vom Neckarufer bis auf spaziergängerfreundliche 318 Meter über den weit entfernten Meeresspiegel. Diese kleine Erhebung im südlichen Odenwald ist besser bekannt als Breitenstein. Genau hier floss vor geschätzten 600.000 Jahren - ein Zeitraum der erdgeschichtlich kaum mehr als ein Augenzwinkern ist - der Neckar in einer breiten Schleife. Im Laufe der Jahrtausende hob sich das Gebirge an und die Flußschleife wurde vom erodierenden Hauptstrom abgetrennt. Der Breitenstein ist also ein ehemaliges Stromtal und aus der Luft (oder mit Hilfe von Karten) kann man den ehemaligen Flußverlauf auch heute noch gut erkennen.

Folgt man dem Wanderweg 3 erreicht man die schaurig-schöne Teufelskanzel, eine steil abfallende Kante über dem ehemaligen Steinbruch Kranichsberg, dessen rotfeiner Buntsandstein sogar für das Heidelberger Schloss Verwendung fand. Von hier oben hat man einen wunderbaren Ausblick über den Neckar und die Staustufe von Rockenau. Der Wald wird schon seit Jahren nicht mehr regelmäßig bewirtschaftet, so dass ein strukturreicher Eichen-Hainbuchenwald entstehen konnte.

Fotografisch gibt es auf dem Breitenstein sowohl für Tier- als auch für Landschaftsfotografen viel zu entdecken. Sogar nach dem herbstlich bunten Farbenfest bleibt es interessant: Wenn das Laub gefallen ist, dominieren die kahlen Baumstämme und damit Linien und Formen. Wechselt man jetzt von der Farbfotografie nach Schwarz-Weiß lassen sich Strukturen ganz bewusst hervorheben und betonen. Früher musste man dazu in teure Schwarzweiß-Filme investieren. Heute geht das per digitalem Füllhorn ganz leicht nachträglich am Computer wie dieses original Farbfoto beweist.

Spritzig oder verwischt?

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Magie der Langzeitbelichtung

Ein magischer Ort im badischen Odenwald ist die Stelle, wo der kleine Weisbach in den gar nicht so viel größeren Seebach mündet. In lauen Frühlingsnächten vergnügen sich hier algenhäutige Nixen, schaumschlagende Klabautermänner und mooszarte Wasserelfen. Leider ist es mir trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen, eines dieser hydrophilen Wesen fotografisch festzuhalten, so dass ich mich meistens mit der Magie der reinen Landschaft zufrieden geben muss. ;-)

Besitzen Sie ein Stativ? Einer der besten Gründe für seine Verwendung ist nicht die Eliminierung der Verwacklungsgefahr, sondern die Möglichkeit, bewegtes Wasser mit den Augen eines Faultieres zu sehen. Strömungen, Wellen, Kaskaden und kleine Wasserfälle verwandeln sich bei Belichtungszeiten ab einer Sekunde in eine weiße Gischt, die in seiner strahlenden Reinheit kaum ein Äquivalent in der Natur besitzt. Das klappt aber nur bei Dämmerung oder bei Nutzung eines Pol- oder Graufilters. Sonst werden Sie trotz geschlossener Blende keine wirklich langen Belichtungszeiten mit der Kamera realisieren können.

Die beiden nacheinander aufgenommenen Fotos verdeutlichen den Effekt: Das linke Bild wurde mit Blende 5.0 bei 1/5 Sekunden belichtet und gibt die fließende Welle insgesamt noch erkennbar wieder. Das rechte Bild entstand bei Blende 22.0 und mit sechs Sekunden Belichtungszeit. Welche Version gefällt Ihnen besser?

Machen Sie sich doch selbst ein Bild und probieren Sie aus, ob Sie eher ein fotografischer Spritzer oder ein Schleicher sind. Sie finden diesen magischen Platz, wenn Sie am nordöstlichen Ortsrand von Neckargerach in Richtung Waldsee gehen (oder fahren). Von dort sind es nur noch wenige 100 Meter bis zur Mündung des Weisbaches. Vielleicht entdecken Sie ja nicht nur die faszinierenden Möglichkeiten der Langzeitfotografie, sondern sogar eine zarte Wassernymphe beim Baden in den kalten Fluten.

Nachtrag: Am 28. Mai 2016 wurde die Region von einem extremen Starkregen mit Hagel heimgesucht, der kleine Waldbbäche innerhalb von wenigen Minuten in reißende Fluten verwandelte und Steinbrocken bis zu 2 Meter Größe mit sich riß. Die Mündung des Weisbaches, so wie oben abgebildet,  existiert nicht mehr.  Einen Eindruck von dem Unwetter gibt das folgende Video: https://www.youtube.com/watch?v=9JjrqWNC-jw&index=1&list=PL8B0B1F4E4DFABD50

Verpasste Gelegenheit

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Bullauer Bild mit Buche

Das Bullauer Bild war eines der wenigen so genannten Baumwunder, die es im Odenwald zu bestaunen gab. Nach langer Suche hatte ich den von einer mächtigen Buche wie mit einem Mantel umwachsenen Bildstock bei Bullau, einem winzigen Ortsteil von Erbach, entdeckt. Das war im März 2010 und da der damalige Winter ungewöhnlich kalt und schneereich war, zeigte sich der Mischwald bei meinem Besuch noch ohne bunte Frühlingsblüher. „Kein Problem“, dachte ich mir und machte ein paar Aufnahmen von Baum und Bildstock vor kahlem Waldboden. „Sobald die Sonne Buschwindröschen und Scharbockskraut aus dem Winterschlaf gelockt hat, bist Du wieder hier.“ Dachte ich mir. So ging das ein paar Jahre und jedes Mal kam irgendetwas dazwischen. Mein Wunschbild hatte ich längst im Kopf: Lichtblitze der aufgehende Morgensonne hinter dem mächtigen Buchenstamm in dessen Zentrum das Heiligenbild in sich ruhte und das Ganze umgeben von einem Teppich aus weiß leuchtenden Blüten. Jetzt, diesen Frühling würde ich nach Bullau fahren und mein Wunschbild realisieren. Dachte ich mir. Bis ich bei Wikipedia die knapp gehaltene Nachricht entdeckte, dass man Ende 2012 die Buche aus Sicherheitsgründen aufgrund eines Pilzbefalles fällen musste und dabei ein Teil des historischen Sandsteinsockel aus dem 16. Jahrhundert “unwiederbringlich zerbrach.“ Ich will hier gar nicht die Frage aufwerfen, ob es denn wirklich notwendig war, gleich den ganzen Baum beseitigen zu müssen. Ich möchte auch nicht darüber nachdenken, ob man wirklich alles getan hat, um ein in dieser Form einmaliges Kulturdenkmal, das Jahrhunderte überstanden hat, fachgerecht und angemessen zu erhalten. Ich will auch nichts gegen die Streichholzhütte sagen, die man als Ersatz über den Baumstumpf und das gerettete Marienbildchen gestülpt hat. Aber eines ärgert mich wirklich: Dass ich nicht vier Wochen nach meinem Erstbesuch die Möglichkeit genutzt habe, um mein Wunschbild aus dem Kopf noch im gleichen Jahr auf Speicherkarte festzuhalten. Verpasste Gelegenheit.

Die spinnen, die Spinnen

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Portrait einer weiblichen Gartenkreuzspinne

In Gärten und auf Wiesen, an Waldrändern und in Parkanlagen - aber auch mitten in der Stadt - sind sie unübersehbar: Die bis zu 1,5 cm groß werdenden weiblichen Gartenkreuzspinnen. Die Männchen sind deutlich kleiner und befinden sich meistens in sicherer Entfernung am Rande des Netzes. Das hat seinen guten Grund, denn die kräftige Spinnenfrau verspeist schon mal ihren Gatten nach dem Sex.  Aber auch für das Weibchen läuft die Zeit ab: Nachdem es die befruchteten Eier in einen Winterkokon verpackt hat, stirbt es. Die Babyspinnen schlüpfen noch vor dem Winterbeginn aus den Eiern, verlassen ihre schützende und wärmende Seidenhülle aber erst im Frühling und verbringen dann als selbstständige Jungspinnen ein ganzes Jahr bevor sie im Folgejahr nach der abschließenden Reifehäutung geschlechtsreif werden. Es existieren also immer gleichzeitig einjährige und zweijährige Gartenkreuzspinnen.

Die Kreuzspinne mag gefährlich aussehen, ist aber für den Menschen vollkommen harmlos und ein nützlicher Schädlingsvertilger. Untersuchungen haben ergeben, dass alle Spinnenarten in einem Hektar Wiesenfläche jedes Jahr die unglaubliche Menge von 50000 kg Insekten fangen.

Falls Sie einmal eine schaukelnde Spinne im Netz entdecken sollten, so werden Sie gerade Zeuge eines sehr interessanten Abwehrverhaltens. Durch die Schwingungen ist die Spinne für Vögel nicht mehr so leicht als Beute zu entdecken; ihre Umrisse verschwimmen und die Spinne versteckt sich sozusagen unter einem beweglichen Tarnanzug.

Die spinnen, die Spinnen? Ja natürlich, aber das klug und mit System.

Doppelt belichtet hält besser

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Baumstämme und Raukenstengel

Eine ganz spannende Möglichkeit zur Erstellung kreativer Fotografien besteht darin, ein Motiv mehrfach zu belichten und so mehrere Aufnahmen zu einem Gesamtbild zu komponieren. In der Studio- oder Kunstfotografie lassen sich dadurch Bilder erstellen, die oft einen Aha-Effekt auslösen, weil sie jenseits der visuellen Erwartungen des Betrachters liegen. Auch in der Naturfotografie können diese technischen Möglichkeiten gezielt zur Steigerung der Bildwirkung eingesetzt werden, wobei ich prinzipiell nicht auf Mehrfachbelichtungen am Computer, sondern nur auf die Doppelbelichtung direkt am Motiv eingehen möchte. Zuerst sollte man prüfen, ob mit der eigenen Kamera Mehrfachbelichtungen möglich sind. Interessante Effekte lassen sich dann durch Änderungen der folgenden Parameter erreichen: 1. Änderungen der Blende und damit des Schärfebereichs und der Raumtiefe, 2. Änderungen der Belichtungszeit und damit vor allem Effekte bei beweglichen Motiven wie zum Beispiel fließendes Wasser oder ziehende Wolken, 3. Änderungen der Objektiv-Brennweite (geht nur bei Zoom-Objektiven) und - am radikalsten - 4. Änderungen des Standortes und/oder der Aufnahmezeit. Je größer die Abweichungen zwischen der ersten und der zweiten (oder dritten) Aufnahme sind, desto stärker verschiebt sich der Gesamteindruck des fertigen Bildes im Vergleich zu einer Einzelbelichtung. Manchmal ist hier weniger mehr, so wirken doppelt belichtete Landschaftsaufnahmen ohne irgendwelche Änderungen meistens sehr harmonisch. Das doppelt belichtete Foto eines Waldweges wurde mit 60er Brennweite und einer Blende von jeweils f 2.8 erstellt: Belichtung 1 fokussiert auf die Knoblauchrauken im Vordergrund, Belichtung 2 fokussiert auf den Hintergrund. Die Verschmelzung der beiden Schärfeebenen lässt die Konturen der Bäume und des Weges etwas diffus erscheinen was - zusammen mit einer leichten Unterbelichtung - den malerischen Effekt erzeugt.

Probieren Sie es einfach einmal aus, aber nutzen Sie Mehrfachbelichtungen nicht als Mittel zum Zweck, sondern als zweckvolles Mittel um eine Bildidee zu unterstreichen. Viel Spaß dabei!

Friedlicher Bombinator

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Unkenhochzeit

Eines meiner Lieblingstiere ist die Gelbbauchunke. In Wikipedia wird sie etwas respektlos als „spitzwarziger Froschlurch“ beschrieben. Für mich ist die kleine Unke ein Pionier, ein amphibischer Held, der seinen Nachwuchs selbst kleinsten Wasserpfützen anvertraut. Ihr wissenschaftlicher Name Bombina variegata leitet sich von dem lateinischen Wort „bombus“ – tiefer Ton – ab und bezieht sich auf den Unkenruf, der jedoch eher wie ein Gänsekrächzen klingt - und welches Tier hat schon herzförmige Pupillen? Ich jedenfalls erwische mich regelmäßig dabei, dass ich Pfützen im Wald oder am Flussufer nach Unken “abscanne“. Dabei sind kleine Wellen, erzeugt von den abtauchenden Feuerkrötchen, verräterische und eindeutige Hinweise auf ihr Vorkommen. Die Gelbbauchunke zeigt ihre wunderschöne, gelbe Unterseite mit den schwarzen Tintenklecksen nur in Schreckstarre oder wenn man sie auf den Rücken dreht (was ihr aber gar nicht gefällt). Das Bauchmuster ist so individuell wie unser Fingerabdruck und ermöglicht es, einzelne Tiere sicher zu identifizieren. Fotos von der Unkenhochzeit sind nicht so häufig. Hier habe ich zwei verliebte Unken mit langer Brennweite im Naturschutzgebiet Taubergießen am Oberrhein fotografiert.

Von wandelnden Blättern und einem toten Blatt

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Das Tote Blatt in Aktion

Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass es bei uns auch Wandelnde Blätter gibt. Die “lebenden Blätter“ sind die Attraktion in jeder Terraristikabteilung eines Zoos oder Fachtierhändlers und überraschen durch die perfekte Nachahmung eines grünen Blattes. Man nennt diese Form der Tarnung allgemein Mimese oder in diesem Fall noch genauer Phytomimese, da ein Planzenteil nachgeahmt wird. Häufiger - aber nicht ganz korrekt – wird der Begriff Mimikry verwendet. Damit bezeichnet man jedoch im engeren Sinn nur die Schutz- oder Warntracht bei Nachahmung eines giftigen oder räuberischen Vorbildes, wie zum Beispiel harmlose Schwebfliegen, die das Schwarz-Gelb-Signal einer Wespentaille nutzen, um nicht als Vogelfutter zu enden. Ein sehr interessantes Beispiel für Phytomimese in unseren Breiten ist das Tote Blatt (Drepanepteryx phalaenoides), ein zu den Blattlauslöwen gehörendes heimisches Insekt, das so vollkommenen ein welkes Blatt imitiert, dass man die kleinen Kerfen meistens übersieht. Das Tote Blatt gehört zu den Taghaften und ernährt sich von Blattläusen. In Starre – also im Tarnmodus – werden Kopf und Körper vollständig von den vier blattähnlichen Flügeln verdeckt (siehe kleines Foto). Im Notfall, das heißt, wenn sie von einem Fressfeind entdeckt worden sind, lassen sich die zarten Netzflügler einfach auf den Boden fallen. Nach dem bewährten Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Da die grazilen Flattertiere äußerst attraktiv und als Schädlingsvertilger auch noch sehr nützlich sind, ist das eigentlich schade.

Blaue Sterne und grüne Männlein

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Blauer Stern im Auenwald

Einer der schönsten Frühlingsblüher ist für mich der Blaustern, der einerseits zart und zierlich, andererseits so perfekt in Farbe und Form ist, dass sein Anblick - dort wo er in Massen vorkommt – wie ein Nachthimmel aus hellblau leuchtenden Sternen wirkt.

Der Aufbau der gesamten Pflanze besticht durch Symmetrie und Klarheit: Die Blüte besteht aus sechs radiär angeordneten Blütenblättern und der gleichen Anzahl Staubblätter und der wissenschaftliche Artname “Bifolia“ bedeutet schlicht und einfach “Zweiblatt“.

Der Blaustern hat es gerne feucht und warm und ist deshalb vor allem in Auenwäldern anzutreffen, besonders dann wenn der Boden kalkhaltig ist. Seine natürliche Verbreitungsgrenze nach Norden liegt etwa in Höhe von Bonn. Im Neckar-Odenwaldkreis findet man ihn in der Nähe von Hirschhorn und in einigen Naturschutzgebieten rund um Mosbach.

Die Pflanze gehört zwar zu den Spargelgewächsen, ist aber - wie fast alle Frühlingsblüher – stark giftig. Die Befruchtung erfolgt über Fliegen, Hummeln und Bienen. Die Pflanze ist aber auch in der Lage sich bei schlechter Witterung und fehlenden Blütenbestäubern selbst zu befruchten, indem sich die Staubbeutel der verwelkenden Blüte nach innen auf die Narbe drücken.

Eine lokale Spezialität sind die vermehrt zur Hofener Fasnet auftretenden “Scillamännle“, die der grünblauen Pracht der pflanzlichen Vorlage erstaunlich nahe kommen, jedoch glücklicherweise nicht unter Naturschutz stehen.  ;-)

Der einzige Schuh, der ohne Frau schöner ist als mit

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Der einzige Schuh, der ohne Frau schöner ist als mit

Der Gelbe Frauenschuh ist eine ebenso seltene wie elegante einheimische Orchidee.  Als Halbschattenpflanze wächst Cypripedium calceolus vor allem in lichten Kiefer- oder Buchenwäldern. Die Orchidee ist streng geschützt und in ihrem Bestand gefährdet. Die gelbe bauchige Lippe (der Schuh) ist innen so glatt, dass die hineingefallenen Insekten nicht ohne weiteres wieder hinausklettern können. Der Weg nach Draußen führt nur über eine enge Haartreppe, wobei die klebrigen Pollen der Pflanze an den feinen Insektenhaaren hängen bleiben und in einer anderen Blüte zur Befruchtung der Narbe führen können. Die Entwicklung aus einem Pflanzensamen bis zur ersten Blüte dauert beim Frauenschuh mindestens 4 Jahre und damit für eine Blütenpflanze ungewöhnlich lange.

 

Die Aufnahme entstand im Naturschutzgebiet Ramberg-Rehletal kurz vor Sonnenuntergang.

 

 

Frühlingstrunk aus Märzenbechern

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Märzenbecher

Mit einer geschätzten Anzahl von 250.000 Exemplaren wachsen im Eselsburger Tal fast ein Zehntel aller in Baden-Württemberg vorkommenden Märzenbecher. Diese aparte Blume, die oft schon dann blüht, wenn noch eine geschlossene Schneedecke den Boden bedeckt, gehört zu den ersten Frühlingsboten in unseren Wäldern. Wie schaffen es die zarten Pflanzen, so früh im Jahr zu erscheinen? Die Pflanze bildet zum Ende der Vegetationsperiode unterirdische Knollen aus und speichert darin Nährstoffe wie Stärke und Glykoside mit deren Energie sie im Frühling sehr schnell Biomasse aufbauen und Photosynthese betreiben kann. Da Zwiebeln nicht nur von Menschen gerne gegessen werden, schützt sich die Pflanze durch die Bildung giftiger Alkaloide vor hungrigen Tieren.

Dermaßen gut angepasst, sollte der blumige Becher in unseren Wäldern häufig anzutreffen sein. Was ihn jedoch zu einer bedrohten und seltenen Art macht, das ist seine Vorliebe für wechselfeuchte Waldböden. Leider sind solche Überschwemmungswälder, die man schwer bewirtschaften kann, in Deutschland nur noch selten anzutreffen.

Für viele Insektenarten, allen voran Hummeln und Bienen, ist der “Trunk“ aus dem Märzenbecher ein hoch willkommener Genuss. So richtig satt werden die fleißigen Nektarsammler aber nur wenn sie ziemlich viele Blüten anfliegen, so dass damit auch gleich die Bestäubung der Frühlingsblume sichergestellt ist.

Wer sich die weiße Blütenpracht in der Schwäbischen Alb persönlich ansehen will, findet auf der Homepage der Stadt Herbrechtingen hilfreiche Informationen für einen Besuch: http://www.herbrechtingen.de/kultur-freizeit/eselsburger-tal/maerzenbecher.html

Pfeifengras - zu schade um drauf zu pfeifen

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Pfeifengraswiese

Im herbstlichen Odenwald erfreuen uns nicht nur die satten Farbtöne von Buche und Ahorn, sondern auch die hellen Ocker- und Gelbtöne vieler Gräser. Eines der prächtigsten ist das Pfeifengras, das früher so verbreitet und häufig war, dass es zusammengebunden als Besen oder einzeln zum Säubern von langen Pfeifenstielen gute Dienste leistete. So wie Naturbesen und das Pfeiferauchen aus der Mode gekommen sind, kennt kaum noch jemand den beeindruckenden Anblick einer herbstlich kolorierten Pfeifengraswiese. In alten Bruchwäldern, Flachmooren und Feuchtwiesen findet man es auch heute noch vor allem in Oberbayern und in Brandenburg. Bei uns im Neckar-Odenwaldkreis ist es selten geworden, was sehr schade ist, da Pfeifengraswiesen zu den artenreichsten und schönsten Naturlandschaften zählen, die das “Ländle“ zu bieten hat.

Die Erdpyramiden von Sipplingen

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Die Kurfürsten von Sipplingen

Wie steinerne Riesen mit Hut thronen sie über dem Bodensee, die so genannten Churfirsten von Sipplingen. Entstanden ist das Naturschauspiel am Ende der letzten Eiszeit durch Erosion der weicheren Gesteinsschichten unter dem “Hut“. Die harten Decksteine schützen das darunter liegende Gestein, so dass sich zwischen den einzelnen Decksteinen tiefe Rinnen bildeten, was schließlich zu den heutigen Pyramiden führte. Da die Erosion laufend fortschreitet, ist ihr heutiger Anblick nicht für die Ewigkeit geschaffen. Von den ursprünglich aufragenden sieben Kurfürsten sind nur noch fünf erhalten.

Erdpyramiden sind ein besonders eindrucksvolles Relikt aus der Vergangenheit und zeigen bildhaft, dass man mit Hut besser behütet ist – was gleichermaßen für weiches Gestein wie für empfindliche Häupter gilt.

Glücklich leben die Zikaden

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Glücklich leben die Zikaden

Das Zirpen der Zikaden kennt fast jeder, aber zu Angesicht bekommt man die kleinen Pflanzensauger nur selten. Auch bei uns gibt es welche, vor allem in klimabegünstigten Gebieten. Singzikaden singen mit dem Bauch; das heißt, die Männchen besitzen in ihrem Hinterleib ein paariges Membransystem, das zirpende Laute erzeugen kann. Dieses Trommelorgan nennt man Tymbal, nicht zu verwechseln mit dem Hörorgan, das sogenannte Tympanalorgan. Die Larven der Singzikaden verbringen mindestens zwei Jahre unterirdisch verborgen in der Erde wo sie sich von Pflanzenwurzeln ernähren.  Gerne zitiert wird der Ausspruch des griechischen Dichters Xenarchos: „Glücklich leben die  Zikaden, denn sie haben stumme Weiber“. Allerdings ist das so nicht haltbar, denn auch die Weibchen vieler Zikadenarten können sich akustisch durchaus bemerkbar machen. 

Das Feenkraut

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Das Feenkraut

Die Mondraute (Botrychium lunaria) ist etwas ganz besonders und nur wenige Menschen kennen diese seltene Farnpflanze. Da der Farn nur langsam wächst und sehr empfindlich auf den Eintrag von Dünger reagiert, gehen die Bestände in Mitteleuropa kontinuierlich zurück. Seinen Namen verdankt die Mondraute der Form ihrer Farnwedel oder aber – was spannender ist - dem mittelalterlichen Aberglaube, dass die Blätter im Mondschein zu leuchten beginnen.

Vielleicht inspirierte das mystische Kraut auch Otfried Preußler als er den Kasperl bei Mondschein auf die Suche nach dem dann silbrig leuchtenden Feenkraut schickte, mit dessen Hilfe sich die Unke wieder in ihre wahre Feengestalt zurückverwandeln ließ.

Wie alle Farne bildet die Mondraute keine Blüten aus, sondern sogenannte Sporangien in denen sich die Farnsporen befinden. Bei den Farnen auf der Abbildung handelt es sich um junge Pflanzen bei denen die Sporangien noch nicht fertig ausgebildet sind und eng an der Sproßachse anliegen. Das links stehende Exemplar war nur zwei Zentimeter hoch und entsprechend groß war meine Freude, als ich diesen zauberhaften Winzling am Fuße einer Blockhalde entdeckte.

Der brennende Busch

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Diptam (Dictamnus albus)

Eine der Schlüsselszenen im Alten Testament ist Gottes Offenbarung gegenüber Moses auf dem Wüstenberge Horeb. Beim Schafehüten in der kargen und heißen Gegend bemerkt Moses einen brennenden Busch, der von den Flammen aber völlig unbeschadet zu sein bleibt. Neugierig nähert sich Moses und wird von Gott aus dem Feuer heraus angesprochen und ermutigt, das Volk Israels aus der Knechtschaft heraus in die Freiheit zu führen. Diese symbolträchtige Erscheinung wurde von vielen Künstlern später aufgegriffen – eine der berührendsten bildlichen Darstellungen der Szene stammt von Marc Chagall:

Marc Chagall: Mose vor dem brennenden Dornbusch

Es gibt tatsächlich eine Pflanze, die so hohe Konzentrationen von ätherischen Ölen produzieren kann, dass es zu einer Selbstentzündung der ölgesättigten Luft über den Fruchtständen kommen kann. Die Rede ist vom Diptam, eine wärmeliebende Staudenpflanze mit zartrosa Blüten von außergewöhnlicher Schönheit. In Deutschland findet man die geschützte Pflanze nur im Bereich regionaler Wärmeinseln, so zum Beispiel in einigen Naturschutzgebieten rund um den Kaiserstuhl.

Damit ist das “Wunder“ des unbeschadet bleibenden, brennenden Busches natürlich weder widerlegt noch erklärt, aber es zeigt uns, dass selbst die unglaublichsten Erzählungen oft ein natürliches und erklärbares Phänomen in der Vielfalt natürlicher Prozesse widerspiegeln.

Mit einer Doppelbelichtung versuchte ich die Illusion von züngelnden Flammen in der Luft fotografisch anzudeuten.

Vorwitziger Frühlingsbote und Blume des Jahres 2013

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Frühlingsbote und Blume des Jahres 2013

Das Leberblümchen wurde von der Stiftung Naturschutz Hamburg zur Blume des Jahres 2013 gewählt und erhält damit die Aufmerksamkeit, die es sicherlich verdient. Wer einmal Mitte März in einem naturnahen Kalkbuchenwald das flächenhafte violette Erblühen von Hepatica nobilis erlebt hat, wird diesen wunderschönen Anblick nie mehr vergessen. Wie so oft heißt aber wirksamer Artenschutz vor allem den Schutz des Biotops und es verwundert nicht, dass sich Leberblümchenstandorte fast immer in ausgewiesenen Naturschutzgebieten befinden. Die frühere Beliebtheit der Pflanze in der Volksheilkunde spiegelt sich in den unzähligen lokalen Bezeichnungen wider, wie zum Beispiel Fastenblume, Leberkraut und Herzfreude. Am besten gefällt mir der Name “Vorwitzchen“, weil er mit einem Augenzwinkern auf das frühzeitige Erscheinen im Frühlingswald verweist. Der Trick dabei ist, dass die Pflanze den Farbstoffkomplex Anthocyan produziert und damit vor allem blaues energiereiches Licht absorbiert und in Wärmeenergie umwandelt. Zusätzlich wirkt das Farbmolekül wie ein Frostschutzmittel, da es den Gefrierpunkt in der Zellvakuole herabsetzt. So schützt sich das zarte Pflänzlein vor späten Frosteinbrüchen und erfreut uns mit einem kurzen aber umso eindrucksvolleren Blühereignis.

Mehr als ein Hauch von Winter

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Winteridylle

ist zurzeit kaum auf dem Winterhauch zu spüren, so dass ich heute auf ein Winterbild aus dem Jahre 2011 zurückgreifen muss.

Die poetische Bezeichnung Winterhauch für den Gebirgsrücken zwischen Mudau und Waldbrunn spiegelt das raue Klima der Gegend wider, die nicht umsonst liebevoll-respektlos als Badisch-Sibirien bezeichnet wird. Dabei sorgt das kühle Mittelgebirgsklima am Fuße des Katzenbuckels oft genug für verschneite und malerische Winterimpressionen.

Der frische Wind auf dem Winterhauch könnte dem Landschaftsbild letztendlich zum Verhängnis werden. So muss die Kommune eine Vorgabe der Landesregierung umsetzen und die Voraussetzungen für die Nutzung von Windenergie schaffen. Ein Windpark mit einer Gesamtfläche von mehr als 300 Fußballfeldern steht in der Planung und es ist zu befürchten, dass ein sensibles, kleinräumiges und in dieser Form einmaliges Landschaftsbild dem vermeintlichen Gemeinwohl geopfert wird. Dass es auch anders geht, belegen vorhandene Kleinwindkraftanlagen, die schon heute effizient und landschaftsschonend laufen.

Vom Vorteil von Schuppen

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Vom Vorteil von Schuppen

Schuppen auf dem Kopf mag niemand haben, dabei wird schnell übersehen, dass Schuppen in der Natur weit verbreitet und durchaus ein Erfolgsmodell sind. Als Schuppen bezeichnet man abgeflachte Plättchen organischen Ursprungs mit einer dachziegelförmigen Struktur und Anordnung. Kopfschuppen bestehen wie die Haare aus Keratin, Fischschuppen aus keratinhaltigen Kalkplättchen und die schuppige Haut der Reptilien ist ebenfalls aus dieser hornähnlichen Substanz aufgebaut. Bei den Insekten haben nur die Schmetterlinge Schuppen ausgebildet, die aus Chitin bestehen, das dem Keratin sehr ähnlich ist und nach der Zellulose die häufigste Bausubstanz lebendiger Organismen darstellt. Eine Schmetterlingsschuppe ist etwa einen Zehntel Millimeter lang und gerade noch für ein menschliches Auge in Leseabstand zu erkennen. Die Mikrostruktur einer Schmetterlingsschuppe ist ein Paradebeispiel für ein gleichermaßen leichtes und stabiles Gebilde. Schmetterlingsschuppen bestehen aus einer durchlässigen aber sehr stabilen Chitinhülle. Innen sind sie hohl und luftgefüllt. Aufgrund dieser einzigartigen Struktur erfüllen sie die unterschiedlichsten Anforderungen und können als multifunktionale Organe bezeichnet werden: Sie verbessern den Auftrieb und die Flugfähigkeit, signalisieren dem Sexualpartner „Schau, hier bin ich!“ und dienen der Regulierung der Körpertemperatur zum Beispiel durch Aufnahme der Sonnenstrahlung und Erwärmung der Flügelmuskulatur auf die notwendige Betriebstemperatur. Da die Schmetterlingsschuppen an der Basis nur über einen dünnen Stiel mit dem Flügel verbunden sind, können sie leicht herausbrechen und bleiben dann als sogenannter Schmetterlingsstaub auf unseren Fingern haften. Entsprechend behutsam sollte man mit den farbenprächtigen Faltern umgehen.

Das kleine Foto zeigt das Originalbild eines Hauhechelbläulings, der Ausschnitt des Flügels ist etwa 25fach vergrößert.

Sex sells – Wie Pflanzen Tiere täuschen

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Blüte oder Insekt?

Tiere interessieren sich für Pflanzen vor allem, wenn sie als Futter in Frage kommen. Die Vorstellung, dass sich Tiere mit Pflanzen als Sexualpartner einlassen, ist absurd, aber genau dies versuchen manche Insektenarten bei den Blüten einiger unserer Orchideen. Natürlich sind es die Männchen, die auf den Trick der Pflanzen hereinfallen. Zu ihrer Ehrenrettung muss erwähnt werden, dass die Orchideenblüten der Ragwurzarten vielen Insekten täuschend ähnlich sehen, wie zum Beispiel die der hier abgebildeten Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) große Ähnlichkeit mit einer weiblichen Langhornbiene (Eucera spec.) aufweist. Bedenkt man außerdem, dass die Orchidee chemische Duftstoffe freisetzt, die den Sexuallockstoffen der Insektenweibchen entsprechen, wundert es kaum noch, dass die paarungswilligen Bienenmännchen – optisch und olfaktorisch betört – in die Liebesfalle tappen und zur Scheinpaarung ansetzen.

Weshalb aber der ganze Aufwand? Warum haben sich bei diesen Orchideen so komplizierte Blütenbaupläne entwickelt? Die Frage lässt sich beantworten, wenn wir noch etwas genauer hinsehen. Das Bienenmännchen setzt zur Paarung auf der Blüte an, berührt mit dem Kopf den vermeintlichen Hinterkopf der Partnerin und führt Kopulationsbewegungen aus. Dabei bleiben winzige Pollenpakete auf der Stirn des Männchens hängen. Interessant ist, dass es bei der Scheinpaarung nicht zur Ejakulation des Spermas kommt, was möglicherweise Voraussetzung dafür ist, dass das Männchen nach einer neuen „Partnerin“ Ausschau hält. Findet es eine andere Blüte wiederholt sich der Vorgang, die mitgebrachten Pollenpakete bleiben auf der klebrigen Narbe der Blüte hängen und die Pflanze wird damit befruchtet. Das Tier dient somit als Samentaxi und Bestäuber der Pflanze ohne dass es einen konkreten Gegenwert dafür bekommt. Und nicht nur das: Es hat auch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Männchen seiner Art, weil es Zeit und Energie für eine – aus Insektensicht – sinnlose Paarung verschwendet. Wie bei uns scheint sich „sex sells“ in der Natur nur für eine Seite zu rechnen: Die Pflanze verdient am Sex, das Männchen bezahlt dafür.

Von Riesenblättern, Reihern und Maurischen Gärten

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Von Riesenblättern, Reihern und Maurischen Gärten

Das Bild stammt keineswegs aus dem brasilianischen Regenwald, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, sondern aus der Schwabenmetropole Stuttgart, genauer gesagt aus dem zoologisch-botanischen Garten der Stadt. In der Wilhema - benannt nach König Wilhelm I. von Württemburg – stehen prächtige Gebäude im maurischen Baustil. Deshalb nennt man die Wilhelma auch liebevoll “Alhambra am Neckar“. Blickpunkt und Zentrum des maurischen Gartens ist das kreisrunde Seerosenbecken in dem Lotusblumen und gigantische Riesenseerosen blühen. Die Schwimmblätter der Victoria amazonica haben einen Durchmesser bis zu 4 m und können ein Gewicht von etwa 60 kg tragen. Das Blatt ist nach unten mit Stacheln gegen Tierfraß geschützt und enthält luftgefüllte Interzellularräume, die es schwimmfähig machen. Das Schwimmblatt ist so stabil, leicht und belastbar, dass sein Aufbau als Vorbild in der Gerüstkonstruktion verwendet wurde. Benannt wurde die imposante Pflanze zu Ehren von Königin Victoria von England. Der Graureiher (Ardea cinerea) ist ein typischer Kulturfolger und stillt seinen Hunger schon einmal an den Goldfischen im Gartenteich oder wie hier im Seerosenbecken des Maurischen Gartens. Man sollte ihm die Fischmahlzeit gönnen, da er eine Bereicherung unserer Fauna darstellt und Mitte des letzten Jahrhunderts bei uns fast ausgerottet war. Nach dem Storch gehört er zu den größten einheimischen Vögeln. Trotz seiner Größe ist er kaum 2 kg schwer, so dass ihn die Schwimmblätter locker tragen können. Einst ein Privatgarten für einen König wandelte sich die Wilhelma ab 1880 zu einem Erholungs- und Ausflugsziel der Stuttgarter Bürger und ist heute weit über die Landesgrenzen bekannt und beliebt. Lesenswerte Informationen über die Entstehung der Wilhelma finden Sie unter http://www.wilhelma.de/de/park-und-geschichte.html

Alpenfeeling im Odenwald

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Alpenfeeling im Odenwald

Ich bin ein großer Fan von Wasserfällen und immer wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, besuche ich diese nassen Naturwunder. Bei uns im Odenwald gibt es leider keine so große Auswahl an spektakulären Wasserfällen. Umso mehr freue ich mich über die Existenz einer bemerkenswerten Ausnahme. Die Margaretenschlucht östlich von Neckargerach überrascht durch ihren wilden und alpinen Charakter. Hier hat sich der kleine Flursbach im Laufe der Jahrmillionen durch den Buntsandstein genagt und ein Naturparadies geschaffen, das man so nicht im beschaulichen Neckartal erwartet hätte. Mit einer Fallhöhe von 110 m über mehrere Stufen gehört der Wasserfall zu den höchsten in Deutschland. In den Gumpen zwischen den einzelnen Abbruchkanten legt der Feuersalamander seine Larven ab, die für ihr Überleben auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Seltene Farne gedeihen in der Schlucht, wie zum Beispiel der Schwarzstielige Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum) und der Gelappte Schildfarn (Polystichum aculeatum), letzterer eine Charakterart feuchter Bergwälder. Obwohl die Schlucht ein Naturschutzgebiet ist, darf man den Kernbereich durchwandern. Ein schmaler Pfad, der an manchen Stellen an alpine Klettersteige erinnert, führt mitten hindurch und vor allem die häufigen Wechsel auf die andere Bachseite bieten - je nach Wasserstand - ein feuchtfröhliches Wandervergnügen. Der Naturpark Neckartal-Odenwald hat an besonders interessanten Stellen Tafeln aufgestellt, die über das Schutzgebiet und seine Besonderheiten informieren. Am schönsten präsentiert sich die Margaretenschlucht im Mai oder Juni, wenn das frische Grün des Laubmischwaldes die tosenden Wasser umrankt. Wer jetzt neugierig geworden ist und seinen nächsten Familienausflug nach Neckargerach planen möchte, dem empfehle ich einen digitalen Blick in die Webseiten des Naturparks: http://www.naturpark-neckartalodenwald.de/index.php?id=77

Vielleicht treffen wir uns ja schon bald bei Farn und Feuersalamander.

Gemeinsam über Stock und Stein

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Zündhölzer

Dort wo sie vorkommen fallen Sie auf: Grüne Miniaturbecher, winzige Keulen, zierliche Trompeten, weiche Schwämmchen, stachlige Bärte, kreisrunde Teppiche und grellgelbe Krusten. Die Rede ist von den Flechten, die an Plätzen gedeihen wo andere Pflanzen kaum Halt, geschweige denn genügend Nährstoffe finden: Auf hartem Urgestein, dicker Borke, blankem Fels und hohen Baumkronen, aber auch auf alten Mauern sowie Holz- und Steingebäuden.

 

Flechten sind Doppelwesen. Chimären aus Algen und Pilzen. Der Pilz holt sich von der Alge energiereiche Nahrung, die sie aufgrund ihrer Fähigkeit zur Photosynthese herstellen kann und die Alge nutzt das fein verzweigte Pilzgeflecht als Schutz vor Beschädigung und Austrocknung. Flechten sind demnach Zweckgemeinschaften zwischen zwei Partnern. Man nennt diese Win-Win-Situation eine Symbiose. Es spricht viel dafür, dass sich funktionierende Symbiosen aus ursprünglich voneinander parasitierenden Organismen entwickelt haben. Zwei Lebewesen, die im Dauer-Clinch miteinander standen, fanden ein Gleichgewicht aus Geben und Nehmen, das sich evolutionär perfektionierte und manifestierte. Man kann sich das auch so vorstellen: Der Pilz stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung und die Alge bringt das Essen mit. Die Party kann beginnen!

Nichts als Flausen

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Nichts als Flausen auf dem Kopf

Haben Ihre Eltern Sie auch manchmal daran erinnert, dass Sie nichts als Flausen im Kopf haben, anstatt sich um die (berufliche) Zukunft zu kümmern? Genau daran musste ich beim überraschenden Treffen mit diesem Jungsperber denken, der etwas verloren und zerzaust direkt neben einem Wanderweg im Eberbacher Stadtwald hockte. Die Elterntiere waren nirgends zu sehen, halten sich aber bei scheinbar verwaisten Jungvögeln meistens irgendwo in der Nähe auf. Obwohl der kleine Greifvogel keinerlei Scheu zeigte, machte ich nur eine Handvoll Aufnahmen und ging schnell weiter. Als ich nach drei Stunden zurückkam, war der Ausreißer verschwunden.

Ein gutes Beispiel dafür, dass junge Wildtiere nur selten den Schutz und den Eingriff der Menschen benötigen. Meist halten sich die Elterntiere irgendwo in der Nähe auf und warten nur darauf, dass die Luft wieder rein ist. Bleiben wir also gleichermaßen gelassen beim Umgang mit den Flausen im Kopf unserer Kinder und mit denen darauf!

Hornissen, die sanften Riesen

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Sanfte Riesen

Man sagt, dass der Stich von sieben Hornissen ausreicht, um ein Pferd zu töten. Die imposante Größe, die schwarzgelbe Warnfarbe des Hinterleibs, das tiefe, unheimliche Brummen beim Flug und die diffuse Furcht vor der Gefährlichkeit des Stiches, lassen viele Menschen panisch reagieren, wenn sie eine Hornisse sehen. Tatsächlich stechen Hornissen so gut wie nie und selbst wenn man sich in unmittelbarer Nähe des Nestes aufhält, bleiben sie noch erstaunlich tolerant solange man sich nicht in die direkte Flugbahn begibt oder Manipulationen am Nest durchführt. Im Labor haben Ratten mehrere hundert Hornissenstiche überlebt, so dass sich die Wirkung eines Hornissenstichs mit dem von Bienen und Wespen vergleichen lässt. Die tatsächliche Toxizität ist sogar geringer als die von Honigbienen, die aufgrund des begehrten Honigs einem höheren Evolutionsdruck zur möglichst effektiven Verteidigung des Neststockes ausgesetzt waren. Im Gegensatz zur Deutschen Wespe interessieren sich Hornissen auch keineswegs für Bratwürste oder Zwetschgenkuchen.

 

Nach der Überwinterung sucht die befruchtete Königin im Mai einen geeigneten Nistplatz in hohlen Baumstämmen, leeren Vogelkästen oder alten Scheunen und Dachböden. Die Königin zerkaut morsches Holz zu Streifen aus Zellulose und formt daraus Hülle und erste Waben für das neue Nest, das sozusagen aus Holz und Spucke gebaut wird. Über die Sommermonate wächst das Hornissenvolk auf etwa 500 Tiere heran, die pro Tag bis zu 0,5 kg Insekten für die Brut herbeischaffen. Hier wird deutlich, welchen Beitrag staatenbildende Faltenwespen zur Reduzierung von Schadinsekten leisten. Ab Juni übernehmen die jungen Arbeiterinnen den weiteren Bau des Nestes sowie zusätzlich das Putzen und Füttern der Larven. Die Königin legt dann nur noch Eier aus denen außer den Arbeiterinnen später auch männliche Hornissen (Drohnen) und Königinnen schlüpfen werden, die im nächsten Jahr an anderen Orten ihre eigenen Völker aufziehen werden.

Kompass im Wald

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Kompass im Wald

In unseren Wäldern gibt es kaum eine schönere und giftigere Blütenpflanze als den Roten Fingerhut, die oft massenhaft auf Kahlschlägen, Lichtungen und Waldrändern wächst. Die Giftigkeit lässt sich auf verschiedene Digitaloide zurückführen, die in der Medizin auch zur Stärkung der Herzaktivität eingesetzt wurden und werden. Zum Glück sind Vergiftungen beim Menschen selten, da alle Pflanzenteile bitter schmecken. Wer gerne auf hohem Ross durch den Wald reitet, sollte darauf achten, dass sein Pferd nicht an den Giftglocken knabbert. Die Robustheit des Pferdemagens kann nämlich keineswegs mit der Toxizität der Pflanze mithalten. Für Hummeln und viele andere Insekten stellen Fingerhutblüten allerdings eine wichtige Nahrungsquelle im Wald dar. Die auffälligen weiß-umrandeten Saftmale interpretiert man als optische Wegweiser, die das Insekt zu den Pollen im Innern der Blüte lenken sollen.

Viele Legenden ranken wie wilder Efeu rund um den Fingerhut. Besonders nett ist die Vorstellung, dass die Blüten gerne als Elfenhüte oder Zwergenmützen verwendet werden. Der englische Name foxglove beruht auf der Vorstellung, dass sich Füchse die Blüten über die Füße stülpen, um auf „lautlosen Pfoten“ in den Hühnerstall zu schleichen. Kein Märchen ist dagegen die Tatsache, dass die Pflanze auch als Kompass genutzt werden kann. Wer sich bei bedecktem Wetter im Wald verirrt, der sollte sich nach Digitalis umsehen: Die Blüten richten sich stets mit der Öffnung nach Süden aus. Sicherheitshalber sollte man sich dabei jedoch nicht auf eine Einzelpflanze verlassen, sondern in diesem Fall ausnahmsweise der Meinung der Mehrheit folgen.

Teufelsbrot, Leichenblume und Hennenverrecka

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Teufelsbrot, Leichenblume und Hennenverrecka

Wunderschön erblüht im Oktober die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) vor allem auf feuchten, nährstoffreichen und lehmigen Wiesen und Weiden. Die Blütenstände erinnern an Krokus oder Safran, worauf auch der englische Name “Autumn Crocus“ verweist. Die Pflanze überwintert als Knolle und treibt im Frühling lilienförmige Blätter aus, die sich bis zum Herbst fast völlig zurückgebildet haben, so dass nur die auffälligen Blüten sichtbar sind. Die Samen werden nach der Fruchtreife vom Wind und Ameisen verbreitet. Alle Bestandteile der Blume enthalten ein starkes Zellgift (Colchicin), selbst Kühe oder Ziegen verschmähen deshalb die Pflanze als Futter. Früher wurde die Herbstzeitlose als Heilmittel bei Gicht und Rheuma verwendet, allerdings dürfte die angemessene Dosierung das reinste Russisch Roulett gewesen sein. Auf die enorme Giftigkeit der Pflanze verweisen auch die derben volkstümlichen Namen, wie zum Beispiel Teufelsbrot, Leichenblume oder Hennenverrecka. Der wissenschaftliche Gattungsname bezieht sich auf das antike Kolchis an der Ostküste des Schwarzen Meers. Dort lebte die Königstochter Medea, die unter Verwendung von Herbstzeitlosen aus ihrem Garten eine junge Nebenbuhlerin ermordet haben soll, in die sich ihr Ehemann verliebt hatte. Wie so üblich in einem echten Drama blieb es nicht bei einer Toten: Die eigenen Kinder und der untreue Gatte verloren am Ende ihr Leben während Medea auf einem Drachen entschwand.

Kein gestrandetes Ufo

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Kein gestrandetes Ufo

Kein gestrandetes Ufo mit fliegenähnlicher Besatzung aber doch ein Exot in unserer Fauna: Der Signalkrebs Pacifastacus leniusculus wurde in den 60er Jahren aus Nordamerika eingeführt, um einen Ersatz für den heimischen Edelkrebs (Astacus astacus) zu schaffen, dessen Bestände in Deutschland fast flächendeckend von der Krebspest dahingerafft worden sind. Die Krebspest wird durch den Schlauchpilz Aphanomyces astaci ausgelöst, dessen Sporen sich im Körper des befallenen Edelkrebses ausbreiten und zu einem Multifunktionsversagen lebenswichtiger Organe führen. Der Signalkrebs und alle anderen amerikanischen Krebsarten sind resistent gegen die Krankheit, gleichzeitig aber Überträger der Pilzsporen und damit hoch infektiös für den heimischen Edelkrebs. Außerdem ist der Signalkrebs in der Lage, über Land von einem Gewässer in ein anderes zu wechseln, so dass er sich rasch ausbreitet und dort wo er vorkommt alle anderen Krebsarten zurückdrängt. Man sollte ihn deshalb auch nicht im Gartenteich halten. Einmal infizierte Gewässer können nur dann für die Besiedelung durch den Edelkrebs wiedergewonnen werden, wenn es gelingt, sämtliche Fremdkrebse daraus zu entfernen. Dies ist in naturnahen Fließgewässern aber so gut wie unmöglich. Der Name des Signalkrebses bezieht sich auf die großen, weißblauen Flecken am Scherengelenk. Außerdem ist die Unterseite der Scheren auffällig rot gefärbt, wobei die möglichen Farbverläufe von einem hellen Orange bis zu einem dunklen Rostrot reichen können.

Das Bild zeigt die Überreste einer Krebsmahlzeit am Ufer des Elzbach, die dort nicht vom Fotografen hinterlassen wurde, sondern von einem unbekannten Fressfeind. Übrigens sollen die Krebse gekocht in Wasser oder einer Bouillon ganz vorzüglich schmecken. Was wiederum ein gutes Beispiel dafür ist, dass man fast allem auch eine positive Seite abgewinnen kann.