Spritzig oder verwischt?

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Magie der Langzeitbelichtung

Ein magischer Ort im badischen Odenwald ist die Stelle, wo der kleine Weisbach in den gar nicht so viel größeren Seebach mündet. In lauen Frühlingsnächten vergnügen sich hier algenhäutige Nixen, schaumschlagende Klabautermänner und mooszarte Wasserelfen. Leider ist es mir trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen, eines dieser hydrophilen Wesen fotografisch festzuhalten, so dass ich mich meistens mit der Magie der reinen Landschaft zufrieden geben muss. ;-)

Besitzen Sie ein Stativ? Einer der besten Gründe für seine Verwendung ist nicht die Eliminierung der Verwacklungsgefahr, sondern die Möglichkeit, bewegtes Wasser mit den Augen eines Faultieres zu sehen. Strömungen, Wellen, Kaskaden und kleine Wasserfälle verwandeln sich bei Belichtungszeiten ab einer Sekunde in eine weiße Gischt, die in seiner strahlenden Reinheit kaum ein Äquivalent in der Natur besitzt. Das klappt aber nur bei Dämmerung oder bei Nutzung eines Pol- oder Graufilters. Sonst werden Sie trotz geschlossener Blende keine wirklich langen Belichtungszeiten mit der Kamera realisieren können.

Die beiden nacheinander aufgenommenen Fotos verdeutlichen den Effekt: Das linke Bild wurde mit Blende 5.0 bei 1/5 Sekunden belichtet und gibt die fließende Welle insgesamt noch erkennbar wieder. Das rechte Bild entstand bei Blende 22.0 und mit sechs Sekunden Belichtungszeit. Welche Version gefällt Ihnen besser?

Machen Sie sich doch selbst ein Bild und probieren Sie aus, ob Sie eher ein fotografischer Spritzer oder ein Schleicher sind. Sie finden diesen magischen Platz, wenn Sie am nordöstlichen Ortsrand von Neckargerach in Richtung Waldsee gehen (oder fahren). Von dort sind es nur noch wenige 100 Meter bis zur Mündung des Weisbaches. Vielleicht entdecken Sie ja nicht nur die faszinierenden Möglichkeiten der Langzeitfotografie, sondern sogar eine zarte Wassernymphe beim Baden in den kalten Fluten.

Verpasste Gelegenheit

geschrieben am von Uwe Krüger in infofotos

Bullauer Bild mit Buche

Das Bullauer Bild war eines der wenigen so genannten Baumwunder, die es im Odenwald zu bestaunen gab. Nach langer Suche hatte ich den von einer mächtigen Buche wie mit einem Mantel umwachsenen Bildstock bei Bullau, einem winzigen Ortsteil von Erbach, entdeckt. Das war im März 2010 und da der damalige Winter ungewöhnlich kalt und schneereich war, zeigte sich der Mischwald bei meinem Besuch noch ohne bunte Frühlingsblüher. „Kein Problem“, dachte ich mir und machte ein paar Aufnahmen von Baum und Bildstock vor kahlem Waldboden. „Sobald die Sonne Buschwindröschen und Scharbockskraut aus dem Winterschlaf gelockt hat, bist Du wieder hier.“ Dachte ich mir. So ging das ein paar Jahre und jedes Mal kam irgendetwas dazwischen. Mein Wunschbild hatte ich längst im Kopf: Lichtblitze der aufgehende Morgensonne hinter dem mächtigen Buchenstamm in dessen Zentrum das Heiligenbild in sich ruhte und das Ganze umgeben von einem Teppich aus weiß leuchtenden Blüten. Jetzt, diesen Frühling würde ich nach Bullau fahren und mein Wunschbild realisieren. Dachte ich mir. Bis ich bei Wikipedia die knapp gehaltene Nachricht entdeckte, dass man Ende 2012 die Buche aus Sicherheitsgründen aufgrund eines Pilzbefalles fällen musste und dabei ein Teil des historischen Sandsteinsockel aus dem 16. Jahrhundert “unwiederbringlich zerbrach.“ Ich will hier gar nicht die Frage aufwerfen, ob es denn wirklich notwendig war, gleich den ganzen Baum beseitigen zu müssen. Ich möchte auch nicht darüber nachdenken, ob man wirklich alles getan hat, um ein in dieser Form einmaliges Kulturdenkmal, das Jahrhunderte überstanden hat, fachgerecht und angemessen zu erhalten. Ich will auch nichts gegen die Streichholzhütte sagen, die man als Ersatz über den Baumstumpf und das gerettete Marienbildchen gestülpt hat. Aber eines ärgert mich wirklich: Dass ich nicht vier Wochen nach meinem Erstbesuch die Möglichkeit genutzt habe, um mein Wunschbild aus dem Kopf noch im gleichen Jahr auf Speicherkarte festzuhalten. Verpasste Gelegenheit.

Natur- und Tierfotografien

Die Motive von links oben nach rechts unten:

1. Die Margaretenschlucht bei Neckargerach ist einer der Höhepunkte des 2012 eingeweihten Qualitätswanderweges Neckarsteig, der von Heidelberg bis Bad Wimpfen führt (siehe: http://www.neckarsteig.de). Die tief eingeschnittene Schlucht gleicht einem Fenster in die Erdgeschichte und kann in ganzer Länge durchwandert werden.

2. Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) ist eine typische Kahlschlagpflanze und wächst überall dort wo zwecks Holzentnahme breite Schneisen in unsere Wälder geschlagen werden. Zumindest optisch entschädigt sie so für die verschwundenen Bäume.

3. Eine Charakterart unserer Mittelgebirge ist der Feuersalamander, der mit seiner aparten Warnfärbung signalisiert: „Freß mich nicht, ich bin giftig!“. In den sauerstoffreichen Bächen des Odenwaldes findet man bis Ende August die aquatisch lebenden Larven der Amphibie. Die erwachsenen Tiere leben an Land und gehen nachts auf Beutesuche.

4. Buchenwälder sind die natürliche Waldform unserer mitteleuropäischen, kontinental beeinflussten Klimazone. Bis dieser kleine Buchenzweig zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist, werden aber noch viele Jahrzehnte vergehen.

5. Diese Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) hat eine Biene erbeutet, die mehr als doppelt so groß ist. Die Spinnenweibchen können die Farbe wechseln und mit der “Mode gehen“, so dass man früher fälschlicherweise davon ausging, dass es sich um unterschiedliche Arten handelte.

6. Im August verwandeln die mit Mohn gespickten Sonnenblumenfelder die Kulturlandschaft des Neckar-Odenwaldes in ein buntes Farbenmeer.

7. Der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia) gehört zu den schönsten Frühlingsblumen und besiedelt nur unverbaute, naturnahe Bereiche des Neckars, wie sie zum Beispiel in der Nähe von Hirschhorn noch vorkommen.

8. Neugieriges Pony auf einer einsamen Weide bei Beerfelden. Ob es wohl schon einmal auf dem Pferdemarkt aufgetreten ist (http://www.beerfelder-pferdemarkt.de)?

9. Tausende von Graslilien verzaubern diese Waldlichtung. Die Doppelbelichtung unterstreicht den märchenhaften Charakter der Szene.

10. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea) ist sicherlich eine unserer schönsten Orchideenarten. Die Unterlippe der Blüte bildet den Körper einer Hummel nach. Während der Begattungsversuche der Hummel werden die Pollenpakete von Blüte zu Blüte übertragen. Hier ist es also die Pflanze, die das Tier für sich arbeiten lässt.

11. Weibliche Krabbenspinne (Xysticus cristatus) bewacht ihren Kokon mit Eiern.

Noch mehr Odenwald? Dann gefällt Ihnen vielleicht mein kleines Video auf YouTube: Naturreise in den Odenwald

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